Die Südländer und ihre merkwürdige Vorliebe für deutsche Ausdrücke … anders lässt sich der schrullige Bandname dieser Power Metaller nicht erklären, aber wie dem auch sei: TRAUMER aus São Paulo haben auch klanglich so einiges von Mitteleuropa abbekommen, besonders viel von HELLOWEEN, möchte man meinen, wenn man das Organ ihres Sängers hört. Jedoch der Reihe nach …
TRAUMER erinnern auf "Avalon" - tatsächlich - an die deutschen AVALON zu späteren Zeiten oder ihre Landsleute ANGRA, als sich noch Andre Matos an ihrer Spitze verdingte. Die Combo kann also sicherlich gut damit leben, wenn man sie als HELLOWEEN-Wiedergänger mit leisen Ambitionen hin zum Prog bezeichnet. Die treibenden Stücke 'Forever Starts Tomorrow' und 'Angel Of The Night' sind praktisch die Aushängeschilder ihres zweiten Albums, das in seiner Gesamtheit sehr abgeklärt anmutet. Typische, also übel vorhersehbare Akkordfolgen schließt das allerdings nicht aus.
Die Ballade 'Changes' könnte im Alleingang vom größten Anthroposophen unter den Metal-Frontleuten geschrieben worden und auf einem seiner streitbaren Soloalben vertreten sein, und sowohl 'Let You Go' als auch 'TraumeR' tönt jeweils ebenfalls wie eine Uptempo-Hymne mit Michael Kiske am Mikro.
Die Scheibe wird zum Ende hin fies gleichförmig - in Hinblick auf die Vorbilder also zu kurz gegriffen, denn die agierten und agieren wesentlich facettenreicher. Das ändert nicht an ihrer Solidität auf allen Ebenen
FAZIT: Wem eine gute Kopie lieb ist und HELLOWEEN nicht mehr genug "so wie früher" klingen, der mag TRAUMER bestimmt. Hätte, könnte, wäre … "Avalon" IST und KANN in Wirklichkeit durchaus eine Menge, bloß nichts Eigenes.
Punkte: 10/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 26.11.2016
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11.11.2016