Es ist müßig, hier noch viel über TRIO zu schreiben, denn wenn eine Band aus Deutschland, die infiziert durch den NDW-Virus völlig zufällig zu absolutem Kult-Status gelang, dann sind es die drei Herren hinter TRIO, der auf Gummipuppen und Blasen stehende Sänger sowie bei seinem Sprechgesang erste „Rapper“ STEPHAN REMMLER, der Apfel essende Schlagzeug-Clown PETER BEHRENS und der metallisch und bluesig rockende Gitarrist KRALLE KRAWINKEL.
Mit ihrem „Da Da Da“ – inspiriert durch einen kleinen, popeligen, programmierten Casio VL-1-Rhythmus – schrieben sie neudeutsch gewellte Musik-Geschichte und schufen ganz nebenbei damit auch den bekanntesten NDW-Hit schlechthin, der sich über 13millionen Mal verkaufte, obwohl sie im Grunde nie eine „echte“ NDW-Band waren, sondern eher eine seltsame deutsche Punk-Pop-Band mit sehr abgefahrenen Ideen, die ihre Songs, ähnlich wie FALCO, mit deutsch-englisch-vermischten Texten feilboten. Aus aktueller Sicht haben sich erst der Gitarrist und dann der Schlagzeuger vom weltlichen DaDaDa-Reich in das himmlische verabschiedet, während Herr Remmler, jedem der es heute noch hören will, die „DaDaDa“-Geschichte erzählt, obwohl er mit seiner Hinwendung zum schlagerhaften Pop einen maßgeblichen Anteil an der Auflösung von TRIO im Jahr 1986 hatte, was der durch Alkohol komplett abgestürzte Schlagzeuger Behrens immer wieder in Interviews betonte.
Das Interessanteste hinter „Da Da Da“ ist allerdings die wohl nicht all zu vielen bekannte Tatsache, dass gerade dieser Hit vom BEATLES-Intimus KLAUS VOORMANN produziert wurde und er sogar den E-Bass darauf spielte, während die IDEAL-Sängerin ANNETTE HUMPE den Background-Gesang übernahm. Das alles gibt‘s natürlich auf diesem <a href="http://www.stephan-remmler.de/dokuwiki/doku.php?id=trio_live_im_beatclub_iii" rel="nofollow">Live-Konzert im Beat-Club</a> nicht zu hören, sondern die abgespeckte, aber umso spaßigere Version dieses Welthits. TRIO sind live eine mehr als seltsame Nummer, die mit einer arg lädierten Gummi-Puppe aus dem ORION-Versand auftreten, deren Qualitäten aus dem Sex-Katalog auch gleich auf der Bühne vorgelesen werden und die angeblich bei den Musikern nur drei Tage lang durchhielt, bis sie an den wichtigsten Stellen Luft ließ. Auch bearbeitet Remmler mit einem Drumstick bei „Trio Bommerlunder“ einen Penis-Dildo, um ihm als Percussion-Instrument der besonderen Art irgendwelche Töne zu entlocken. Es ist wirklich echt abgefahren dieses Konzert im Beat-Club vom 5. April 1982, über das auf der DVD der damalige Mitarbeiter von Mike Leckenbusch, Jörg Sonntag, in den höchsten Tönen schwärmt, wobei es ihm besonders der Gitarrist KRALLE KRAWINKEL angetan hat.
Und dass beim Stöbern im Beat-Club-Archiv sogar der Aufbau des Live-Sets entdeckt wurde, den TRIO höchstselbst vor johlendem Publikum erledigte, und der noch nie über den Bildschirm ging (Insgesamt ca. 5 Minuten lang!), macht „TRIO – Live im Beat-Club III“ sogar zu einer ganz besonderen Rarität, selbst für die Beat-Club-Sammler, die glauben, schon alles rund um diese Kult-Sendung zusammenzuhaben.
FAZIT: Bereits bei ihrem Rockpalast-Auftritt am 12. Februar 1982, der ebenfalls auf DVD erhältlich ist, kommt das außergewöhnlich Live-Feeling von TRIO ohne jegliche Tabus beeindruckend herüber, im Beat-Club aber – knapp zwei Monate später – sind sie noch frecher und unverschämter. Ein guter Grund also für alle, die bereits die Rockpalast-DVD besitzen, sich unbedingt auch dieses Beat-Club-Konzert zuzulegen.
Erschienen auf www.musikreviews.de am 31.12.2016
Stephan Remmler, Kralle Kraeinkel, Peter Behrens
Kralle Krawinkel
Stephan Remmler
Peter Behrens
Sireena Records / Broken Silence
79:00
09.12.2016