„Pump Iron“ mit dem seltsam bekloppten Muckis-Poser-Cover ist unumstritten das mutigste Album von ALVIN LEE, dem die TEN YEARS AFTER-Fans nie richtig verzeihen konnten, dass er seiner Band einfach den Rücken zugekehrt hatte und all den Rummel um die „Woodstockies“ nicht mehr mitmachte.
Fast wütend scheint Lee trotzdem auf seinem ersten Solo-Album nach dem Weggang von seiner Kult-Band es allen beweisen zu wollen, dass er hart rocken und unglaublich breit gefächerte Sounds hinbekommt. Seine Meisterleistungen an der Gitarre stehen sowieso außer Frage – darum war sein Abschied von TEN YEARS AFTER auch ein Schritt, der gleichermaßen von der Band nicht zu kompensieren war. ALVIN LEE war im Grunde TEN YEARS AFTER – und nun will er es allen zeigen. Nur die Denke seiner Fans schien er falsch eingeschätzt zu haben.
Dabei half ihm auch nicht, dass er sich hochkarätige Musiker, die unter anderem bei KING CRIMSON, THE KINKS, WISHBONE ASH, JACK BRUCE, BLODWYN PIG u.v.m. aktiv waren, ins Studio holt, mit denen er „Pump Iron“ aufnahm. Sein musikalischer Hauptunterstützer auf dem Album, das so sehr seine Muskeln spielen lässt, ist aber Keyboarder TIM HINKLEY, mit dem er bereits „On The Road To Freedom“ (1973) und „In Flight“ (1974) einspielte und der zuvor bei AL STEWART in der Band war.
Bei <a href="https://www.youtube.com/watch?v=aIgdsnnOPi8&list=RDqb-HAmX1-Ok&index=3" rel="nofollow">„You Told Me“</a> lässt Lee wieder seiner offensichtliche HENDRIX-Affinität freien Lauf, während er bei <a href="https://www.youtube.com/watch?v=tlM43aKlEBs&index=2&list=RDqb-HAmX1-Ok" rel="nofollow">„Time And Space“</a> die ruhigeren Töne anschlägt und mit dem die LP eröffnenden <a href="https://www.youtube.com/watch?v=qb-HAmX1-Ok&list=RDqb-HAmX1-Ok#t=24" rel="nofollow">„One More Chance“</a> den Versuch unternimmt, sein Hitpotenzial als Komponist auszureizen, was gehörig schief geht, auch wenn er zu den drei Songs extra für das Jahr 1975 recht professionelle erscheinende Videos drehen lässt.
Seine wirklich beeindruckenden Kompositionen, die aus heutiger Sicht echt straighte, leidenschaftliche Nummern sind, können den Ausstieg bei TEN YEARS AFTER nicht wettmachen. Sie räumen ihm nicht die auf „Pump Iron!“ besungene „One More Chance“ ein.
Dagegen packt Repertoire Records diese Chance jetzt noch einmal am Schopf und veröffentlicht die bei Chrysalis erschienene LP aus dem Jahr 1975, hervorragend im Original-Cover verpackt sowie mit farbig bedruckter Innenhülle versehen und von Jon Astley in den Abbey Road Studios remastert, auf 180g Vinyl neu. Alle Sammler und Fans müsse da einfach zugreifen, denn der Sound, der uns aus den schwarzen Rillen druckvoll entgegenhämmert, ist einfach nur großartig und ein Quantensprung im Vergleich zum 75er-Original.
FAZIT: Das erste - von vielen TEN YEARS AFTER-Fans völlig zu Unrecht verschmähte - Solo-Album von ALVIN LEE. Auf „Pump Iron!“ sind jede Menge hochkarätige Musiker aktiv, die dem Album ein sehr abwechslungsreiches, verhältnismäßig recht „hardrockendes“ Klangbild verleihen, bei dem sich Mr. Fingerflink Lee gehörig austoben kann. Dank Repertoire Records und dem Remastering im Abbey Road Studio gibt‘s „Pump Iron!“ nun auch vom schwarzen Vinyl in bester Klangqualität zu genießen.
Erschienen auf www.musikreviews.de am 16.02.2017
Boz Burrell, Steve Thompson, Andy Pyle, Colin Gibson
Alvin Lee
Alvin Lee
Tim Hinkley, Ronnie Leahy
Byson Graham, Ian Wallace, Ron Berg, Brother James
Mel Collins (Saxofon), Jack Lancaster (Horn Section), Harold Burgon (ARP)
Repertoire Records
39:42
18.11.2016