Gemeinsam mit Zbigniew Chojnacki am Akkordeon und Schlagzeuger Krzysztof Gradzuik beschäftigt sich die Sängerin Anna Gadt mit liturgischer Renaissance-Musik, um einschlägige Kompositionen aus jenem Bereich für die Jetztzeit umzuarrangieren bzw. zu dekonstruieren, wie sie selbst sagt.
Die Polin hat sich Liedmaterial aus ihrem Heimatland herausgepickt und hebt es allein schon durch die nicht alltägliche Neuinstrumentierung in einen anderen Kontext. Unter Ausnahme der Improvisationen und eigenen Stücke ('Silva Rerum', 'Thanks God') bleibt der sakrale oder schlicht "schöne" Charakter der ursprünglichen Kirchenmusik aber erhalten. Die jazzigen Abstraktionen bedingen andererseits einen dezidiert modernen Klangcharakter, der dem Ausgangsmaterial wahrlich nicht schlecht steht.
Hinsichtlich seiner zeitweiligen Kühle versprüht "Renaissance" mitunter das Flair nordeuropäischer Vocal-Jazz-Langspieler, auch wenn die Sprache eindeutig in eine andere Himmelsrichtung verweist. Das Album ist auch im übertragenden Sinn ein Zwitter: Einerseits kann man sich am packenden Schlagzeugspiel und der Gesangsakrobatik der Chanteuse ergötzen, andererseits aber auch "nur" in die gefühlvollen Songvignetten fallenlassen.
FAZIT: "Renaissance" ist ein außergewöhnlicher Beitrag zu zeitgenössischer Vokalmusik, der stimmliche Höchstleistungen am Rande des Avantgardistischen mit Jazz und geistlichen Liedern aus der christlichen Tradition verbindet. Wenn das mal kein Crossover ist!
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 23.06.2017
Hevhetia
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02.06.2017