Das Genre des Retro-Thrash ist nicht mehr so vital, wie noch vor einigen Jahren, als am laufenden Band neue Alben rauskamen, die sich im Fahrwasser von SLAYER, EXODUS und Co bewegten. Die Anzahl der Veröffentlichungen mag gesunken und die Szene nicht mehr ganz so präsent sein, es lohnt sich aber, die Augen offen zu halten. Denn nach wie vor gibt es Gruppen, die sich bedingungslos dem 80er Thrash verschrieben haben und dabei kein Klischee auslassen.
Eine davon sind die Schweden mit dem klingenden Namen ANTICHRIST.
Mit „Sinful Birth“ haben sie gerade ihr zweites Album veröffentlicht.
Bei der angeschwärzten Interpretation des Thrash der Skandinavier steht eindeutig die Geschwindigkeit im Mittelpunkt. Die Kompromisslosigkeit, mit der sie dabei vorgehen, erinnert an die MORBID-SAINT-Abrissbirne „Spectrum Of Death“.
Diesem Primärziel wird dabei alles andere untergeordnet. Da gibt es dann mal Stilmittel wie etwas unbeholfene Screams („The Black Pharaoh“) oder auch mal ein nicht unbedingt filigranes Gitarrensolo („Under The Cross“), die zur Auflockerung beitragen – hauptsächlich wird aber das Gaspedal bis zum Boden durchgedrückt.
Die einzige Abweichung von dieser Marschroute ist das zehnminütige Instrumental „Chernobyl 1986“, bei dem eher die beklemmende Atmosphäre als rohe Gewalt im Mittelpunkt steht.
FAZIT: ANTICHRIST machen auf ihrem neuen Album keine Gefangenen und sind mit der Tachonadel immer nah am Anschlag. „Sinful Birth“ ist wahrscheinlich nichts, was man auf Dauerrotation hören kann – als thrashmetallischer Muntermacher ist die Scheibe aber sehr gut zu gebrauchen.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 29.07.2017
Gobbe Henningsson
Steken
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45:22
09.06.2017