Fleißige Arbeiter sind die beiden Herren, die hinter ARCTIC SLEEP stecken, denn innerhalb von zwölf Jahren haben sie es auf fünf Alben gebracht, ohne großartig von Labels unterstützt zu werden. Bei The Church Within sind sie aktuell in passenden Händen, denn "Passage of Gaia" bietet zeitgenössischen Doom von gehobener Qualität.
Auf ihrem sechsten Werk haben die zwei Multi-Instrumentalisten Emily Jancetic als zusätzliche Stimme hinzugezogen, die den Songs neben dem für ARCTIC SLEEP typischen subtilen Cello- und Keyboardeinsatz eine ätherische Aura verleiht. In dieser Ausgangskonstellation changiert das Projekt zwischen Genre-Tradition und "alternativer" Moderne, die sich prima an Namen wie ALICE IN CHAINS oder (natürlich) TOOL festmachen lässt, auch wenn es rhythmisch in der Regel straighter zugeht.
Proggig können ARCTIC SLEEP dennoch: 'Green Dragon' und das Titelstück veranschlagen beispielsweise durchschnittlich neun Minuten und geben eine Menge spannender Momente auf die Ohren. Mike Gussis und Keith D. haben mittlerweile nicht nur eine sehr eigene Songwriting-Marke etabliert, sondern auch ein Gespür für dramatische und bestens nachvollziehbare Spannungsbögen entwickelt. Keine Minute auf "Passage Of Gaia" wirkt willkürlich in die Länge gezogen, sodass die Spielzeit wie im Flug vergeht.
Der leichte Gothic-Touch, der ARCTIC SLEEP noch ein Stückchen weiter in die 1990er zurückrückt, wird zumindest subjektiv als angenehm empfunden und macht den fetten Stoff, den das Duo spielt, objektiv betrachtet umso origineller. Anchecken, falls noch nicht passiert.
FAZIT: Schleppender Metal mit vielen Facetten auf der Höhe der Zeit für Freunde von 40 WATT SUN bzw. WARNING, WHILE HEAVEN WEPT und sogar SOUNDGARDEN.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 19.06.2017
The Church Within
48:23
02.06.2017