ASSENT ist das, um ein englisches, aber sehr passendes Wort zu gebrauchen, „brainchild“ des französischen Multiinstrumentalisten Aurelien Fouet-Barak, das er mit Gitarrist Gregoire bereits zum Zwei-Mann-Projekt ausgebaut hat und aus dem demnächst eine ordentliche Band werden soll.
„We Are The New Black“ nennt sich die Debüt-EP großspurig. Und außenrum ist auch alles tip top: Das Artwork macht schon einiges her und die Klangqualität steht dem in nichts nach: Gerade die Tatsache, dass der Schlagzeuger von ASSENT zum Frühstück lieber Einsen und Nullen als Cornflakes verspeist (und sich wohl auch nicht drum kümmert, ob sie „crispy“ oder „soft“ sind), offenbart sich zumindest mir erst beim Lesen der Credits.
Das Duo bringt in den 20 Minuten eine gehörige Artenvielfalt auf den Tisch, was sich am deutlichsten und naheliegensten im Gesang ausdrückt: Growls, (mehrstimmiger) Klargesang, Rap und einiges dazwischen und manchmal einiges gleichzeitig.
Aber auch in instrumentaler Hinsicht ist die Vielfalt groß: Groove-Riffs, die leider immer wieder so platt und ausgelutscht sind, dass Phil Anselmo dagegen wie ein smarter Rhetorikkünstler aussieht (z.B. „Reaching Out“), münden über kurz oder lang in komplexe Twin Leads.
Früher oder später drängt sich die Erkenntnis auf, dass ASSENT sich klar werden müssten, wohin ihre Reise sie führen soll. Und um es nicht bei einem laschen „zu viele Köche verderben den Brei“ zu belassen: Weg mit den einfallslosen Groove Metal-Riffs und vor allem: Weg mit den Rap-Parts! Und zwar nicht, weil Rap Metal per se schlecht oder Nu Metal ein Schandfleck in der Musikgeschichte wäre, sondern weil
1. Aurelien zwar ein vielseitiger Sänger sein mag, sich aber mit diesem unverständlichen und unenergetischen und uncoolen Gemampfe nicht mit Ruhm bekleckert und
2. die Stärke der Band sichtlich anderswo liegt: Das wird spätestens mit dem besten Song der EP deutlich: Hier leben ASSENT eine Art Progressive Gothic Metal aus, bedienen sich, was Struktur und Dramatik angeht, mitunter recht deutlich an den neueren MACHINE HEAD und – es geht auf: Heraus kommt ein sehr überzeugendes Stück, das ähnlich dem exposéhaften „We Are The New Black“ keine Peinlichkeiten aufweist und als einziges Stück des Album durchgehend überzeugen kann.
„Reaching Out“ und „Apart Of Me“: Streichen Sie das, Fräulein.
„Insomnia“: Besticht durch seine Vielseitigkeit, die genug Interessantes und Mitreißendes wie eine ungemein eingängige Gesangshook, kraftvolle Growls oder eindringliches Deklamieren beinhaltet, dass man die faulen Sprechgesangs-Stellen im Apfel letztendlich vergisst.
FAZIT: ASSENT nutzen ihre Debüt-EP als Spielwiese für Allerlei zwischen Core, Modern-, Groove- , Rap- und Gothic-Metal und fördern dabei neben ein paar Ausrutschern auch Vielversprechendes zutage. Wer ein offenes Herz und offene Ohren hat, sollte das Album austesten und dem weiteren Werdegang des Projekts folgen.
Punkte: 8/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 30.03.2017
Aurelien Fouet-Barak
Aurelien Fouet-Barak
Gregoire Debord
Aurelien Fouet-Barak
Doweet Agency
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01.02.2017