Ein schon recht gut bekanntes Bild im neueren Black-Metal-Bereich: der in erster Linie schreitende Duktus, naiv anmutender klarer Gesang, dem kein Text zugrunde zu liegen scheint, und im Gegenzug Gekeife während der überschaubaren flotten, immerzu wenigstens subtil melodischen Parts …
Die Litauer - nein, es sind keine Westeuropäer oder Amerikaner, auch wenn die so beschreibbare Klangkulisse von "End Of Chapter" in unsere Nachbarschaft schielen lässt - AU-DESSUS sind nicht nur wegen ihres Namens ein Fall für französische Postämter (Amesoeurs, Alcest), sondern auch musikalisch. Für ein Debütalbum klingt die Platte vor diesem Hintergrund aber recht eigenständig, denn das Quartett besitzt eine eigene melodische wie harmonische Sprache und rockt zwischendurch ordentlich (Stichwort Gitarrenheldensolos), statt den Shoegaze-Indie zu tanzen
Und die Atmosphäre der schlicht durchnummerierten Songs ist eher unheilvoll als leutselig verträumt, wie man es von den Genannten her kennt. Dass sich manche Stücke am Ende sogar penetrant im Kopf festsetzen, macht die Band nicht zu einem Hit-Anwärter, hebt sie aber ein gutes Stück weit über den Szene-Wust hinweg.
FAZIT: Post Black Metal der besseren Sorte - relativ eigen ohne (für das entsprechende Milieu) ausgesprochene Eigenwilligkeit Auch in Zukunft mit AU-DESSUS rechnen zu müssen wäre kein Ärgernis.
Andreas Schiffmann
Erschienen auf www.musikreviews.de am 15.08.2017
Les Acteurs De L'Ombre
46:38
04.08.2017