Unverhofft widerborstig zeigen sich AUGUST BURNS RED auf ihrem neuen Album - speziell für eine etablierte Band, die - so unterstellen wir einfach mal -Erwartungen eines breiteren Hörerkreises erfüllen möchte … oder eben auch nicht, wie es scheint.
Die Message von christlichem Metalcore kann man aufgrund der Penetranz seiner Schöpfer nicht immer wegdenken, bei AUGUST BURNS RED allerdings schon. Die Frömmler aus Pennsylvania sind aber in erster Linie eine harte Modern-Metal-Combo mit diesmal richtig virtuos auftrumpfender Rhythmusgruppe und authentischer Wut im Bauch. Einzig das markante Glockenmotiv von 'The Frost' könnte man der Gruppe als gottesfürchtigen Kitsch zum Vorwurf machen, die Adult-Pop-Kokettiere' zum Ende von 'Won’t Let It Go' hin ebenfalls
Sänger Jake Luhrs steht nach "Found In Far Away Places" nicht mehr so stark im Vordergrund, und es ist, als wollten die Millionenseller nur noch sich selbst etwas beweisen. Schnell, melodisch und derb zugleich spielen sie nach wie vor auf, allen voran die im Tandem unschlagbaren Gitarristen Brubaker und Rambler als Mensch gewordenes Prinzip von Zuckerbrot und Peitsche - ersteres in Bezug auf zarte Akustik-Momente, letzteres etwas hinsichtlich der mutigen Single 'Invisible Enemy' mit ihren wie am Abakus ersonnenen Rhythmen (MESSHUGGAH irgendwer?).
Im Großen und Ganzen spielen AUGUST BURNS RED aber mit löblich natürlichem Sound vorsätzlich an Konventionen vorbei, und das ist prinzipiell klasse, die Umsetzung zumindest überdurchschnittlich gut gelungen.
FAZIT: Man kann suggerieren, die Band suche immer noch nach ihrem Stil oder schon (und händeringend obendrein) nach neuen Impulsen, nachdem sie ihr Pulver rasch verschossen hat, aber genauso gut argwöhnen, AUGUST BURNS RED wollten sich von allen Core-Konventionen befreien. Auch wenn ihnen dabei noch kein Hit gelungen ist, darf man ihre aktuelle Scheibe als Achtungserfolg verzeichnen.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 25.11.2017
Spinefarm / Universal
34:55
03.11.2017