Zurück

Reviews

Die Buben im Pelz: Katzenfestung

Stil: Dunkler Alternative- und Indie-Rock mit bissigen Ösi-Texten

Cover: Die Buben im Pelz: Katzenfestung

Die Kreuzritter-Katzen bitten zum Festagsschmaus und präsentieren uns (im Inneren des Digipaks) die abgeschlagenen Köpfe des Wiener Quartetts DIE BUBEN IM PELZ auf ihrem Tablett.
Natürlich lässt dieses Cover wieder Diskussionen zum wortwörtlich guten Geschmack zu, aber darum geht es im Grunde ja nicht, sondern um die Musik von DIE BUBEN IM PELZ und natürlich die Texte. Nach ihrem Debüt-Album, das „Die Welt“ gleich zum deutschsprachigen Album des Jahres küren wollte und welches auf den Cover-Spuren von VELVET UNDERGROUND wandelte, heißt der Nachfolger nun „Katzenfestung“ und erweist sich wiederum als ein recht dunkles, VELVET UNDERGROUND-geprägtes Album im österreichischen Dialekt, das zugleich in den besonders finsteren Momenten Erinnerungen auch an LUDWIG HIRSCH, wenn der seinen „Schwarzen Vogel“ fliegen lässt, oder an GEORG DANZER, der ganz Wien von Kokain träumen ließ, weckt: „Ein weißer Jesus steht in der Ecke, ein roter Engel fliegt übers Bett / Deine Zunge findet die Vene und wir kugeln blind im Versteck / In dem Polster find ich keine Wahrheit und am Nachttisch liegt das Heroin...“

Die „Katzenfestung“ ist bei DIE BUBEN IM PELZ ein finsterer Ort voller bitter-böser Texte, die entweder Weltuntergangsstimmung verbreiten oder am Rand der Gesellschaft ihr Unwesen treiben. Ideal passend dazu klingt auch die Musik – wobei wir wieder bei den zweifellosen Inspirationen seitens VELVET UNDERGROUNDs wären. Denn die sind in erster Linie der Pelz, in dem die Buben stecken und aus dem sie sich natürlich immer wieder mit eigenen kompositorischen Ideen zu befreien versuchen, selbst wenn sie das musikalische Vorbild nur selten ablegen können.

Diesen Versuch unternehmen sie allerdings gleich beim Einstieg in das Album. „Katzenfestung“ - der Titeltrack – ist eine Kombination aus Stoner- und Desert-Rock. Doch von Minute zu Minute verdüstert sich die musiklaische Atmosphäre und spätestens bei „Geisterstadt der lebenden Toten“ glauben wir uns auf ein EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN-Album verirrt zu haben: „Nur die Kinda laufn gschwinder / wei die san no net ganz tot.“

Was allerdings nicht immer überzeugt, ist der Gesang, dem in gewisser Weise trotz zweier Sänger das Charisma und ein echter Wiedererkennungswert fehlt – so provokant auch die Texte klingen. Die Stimme, welche diese vorträgt, hat nicht dieses gewisse Timbre, welches rundum damit im Einklang wäre. Wenn auf „Der ganze Sex“ aber TERESA ROTSCHOPF als Duett-Partnerin mit in die „Katzenfestung“ geholt wird, dann wird klar, dass hier eine bessere Alternative gefunden wurde, die man beim nächsten Album vielleicht noch ausbauen sollte. Auch die Geige von SIR TRALALA auf „Delirium“ - der punkigste Song des Albums -, „Alles Leben ist Chemie“ und ganz besonders „Märzenkalb“ sorgt für deutliche Belebung und den einen oder anderen Lichtstrahl in der so finsteren „Katzenfestung“.

FAZIT: Es sind keine Schmusekatzen, die das Wiener Quartett DIE BUBEN IM PELZ in ihrer „Katzenfestung“ des ehemaligen VELVET UNDERGROUNDs besingen, sondern die boshaften alltäglichen Erscheinungen, die sich zart schnurrend hinterrücks anschleichen, um uns, sowie wir uns, zum Streicheln bereit, zu ihnen umdrehen, die Krallen ins Gesicht schlagen.

Punkte: 10/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 10.06.2017

Tracklist

  1. Katzenfestung
  2. Delirium
  3. Für immer
  4. Alles Leben ist Chemie
  5. Endloser Sommer
  6. Der ganze Sex (feat. Teresa Rotschopf)
  7. Geisterstadt der lebenden Toten (feat. Voodoo Jürgens)
  8. Märzenkalb
  9. Der Antichrist
  10. Der Blitz (feat. Vienna Apokalypse Version)
  11. By Your Favorite Tree (feat. Monsterheart)

Besetzung

  • Bass

    Christof Baumgartner

  • Gesang

    Christin Fuchs, David Pfister

  • Gitarre

    Christof Baumgartner, Ralf Wakolbinger

  • Schlagzeug

    Ralf Wakolbinger

  • Sonstiges

    David Pfister (Flöte)

Sonstiges

  • Label

    Noise Appeal Records

  • Spieldauer

    45:11

  • Erscheinungsdatum

    09.06.2017

© Musikreviews.de