Auf seinem dritten Album begibt sich die Combo um Schlagzeuger Dominic Egli entschiedener denn je auf eine Reise quer über den afrikanischen Kontinent und zeigt nicht nur, wie schön bunt es dort klanglich zugeht, sondern bezeugt auch abseits des Musikalischen Liebe für die Kultur der vermeintlichen Wiege der Menschheit abseits von Elend und politischer/menschenrechtlicher Sauerei.
So vereint "More Fufu!" afrikanische Folklore mit europäischem und amerikanischem Jazz, letzteres eher im Ansatz des Bandleaders als dahingehend, dass man hier Swing oder Bop der klassischen Art vernehmen würde. Egli trommelt zwischen Ungestüm und der zurückhaltenden Souveränität eines Dienstleisters, agiert also sozusagen im Geiste von Elvin Jones und Buddy Rich, wohingegen Exzentriker und Lebenskünstler Donat Fisch als Bläser die harmonische Komponente dieses zutiefest perkussiven Werks bestimmt.
Mitsingbare Melodien verschmelzen mit teils tanzbaren, teils geradezu rituellen Rhythmen, wobei sich alle Beteiligten - auch der fabelhafte Bassist Bossard, als solistisch bewandert herausstellen. Dennoch ist "More Fufu!" keine Nabelschau, was im Übrigen auch schon die beiden Vorgängeralben nicht waren. Stattdessen bestimmen lange Klangreisen das Bild, allen voran die epische Eröffnung 'Mali Must Be Beautiful' mit ihren "call and response"-Melodiemotiven, die tief aus der kontinentalen Geschichte geschöpft anmuten.
Der Fetisch der Musiker für Essen als Teil jener gefeierten Kultur ist bereits von früher bekannt, sodass die Scheibe quasi zu einem kulinarisch-klanglichen Genuss wird, so man sich auf diese Komponente einlässt. Die allseitige Quirkligkeit passt bestens in dieses Bild aus Ordnung und fast chaotischer Unberechenbarkeit. Dabei wirkt "more Fufu!" zu keiner Minute fahrig oder anstrengend, und das darf man diesen Grenzgängern (im wahrsten Sinn des Wortes) hoch anrechnen.
FAZIT: Die Musik eines Abdullah Ibrahim oder Hugh Masekela in ein pan-europäisches Klangbett gelegt? Kann sein, aber egal wie man es nennt, "More Fufu!" stellt vielstündige Entdeckungsreisen im Klangkosmos des weltweiten Jazz in Aussicht, verpackt in ein zugegebenermaßen hässliches Cover und dafür umso schönere Kompositionen, die weder Virtuosität noch emotionale Aha-Erlebnisse missen lassen. Applaus also für Dominic Egli's Plurism!
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 18.03.2017
Raffaele Bossard
Dominic Egli
Donat Fisch (Saxofon), Feya Faku (Trompete, Flügelhorn)
Unit / Harmonia Mundi
61:27
03.03.2017