Man mag über den Sinn dieser Wiederveröffentlichung eines Band-Debüts streiten, das im Original erst vor einem Jahr erschien, zumal DON'T TRY THIS nicht einmal zu den allzu ersprießlichen Vertretern ihrer Zunft zählen. Ist ja nicht so, dass eventuell eingefleischte Fans der jungen Truppe händeringend nach der Scheibe suchen würden, oder?
Die Dessauer spielen herkömmlichen Death- ('Suffocation', der Titel sagt's bereits) und Metalcore mit dezent "poppigeren" Anwandlungen (das nachgerade widerlich kommerzielle 'I Will Never Forget'), wie sie nur allzu üblich sind. Das alles wurde von vorn bis hinten aus Amerika entlehnt (STONE SOUR, die Mallcore-Klitsche), ist also alles andere als eigenständig oder gar originell.
Carlo Kasanya brüllt andererseits wie ein ganz Großer und würde tatsächlich auch gut in eine traditionelle Death-Metal-Combo passen. Dem gegenüber stehen vorhersehbare Klargesangs-Passagen, die dort für Eingängigkeit sorgen, wo das riffende und Doublebass-ratternde Einerlei allszu beliebig anmutet. In jedem Fall geht DON'T TRY THIS aufgrund ihrer spleenigen Mischung aus Neo-Grunge-Pathos, Disco-Albernheit und eben programmatischem Core-Kram bis zu einem gewissen Grad die Ernsthaftigkeit flöten.
Der Bonusteil dieser sogenannten Deluxe Edition ist allenthalben etwas für eingefleischte Fans - eine Verlängerung mit den üblichen Alternativ-Fassungen bekannter Tracks 'I Will Never Forget' mit Klavier hat allerdings durchaus etwas für sich), und das 'Falling Deeper'-Demo zeigt, wie weit DON'T TRY THIS ihre Songs verfeinern, bis sie auf ein offizielles Album gelangen.
FAZIT: Eine unnötige Neuauflage einer Fußnote des innerdeutschen "Modern" Metal. File under WE BUTTER THE BREAD WITH BUTTER oder ESKIMO CALLBOY.
Punkte: 6/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 09.04.2017
Markus Kopitzki
Carlo Kasanya
Stephan Renner, Philipp Müller
René Wähler
Boersma
54:32
31.03.2017