Mal wieder so eine Band aus dem Niemandsland zwischen Emo-, Hard- und Postcore … falls das nicht sowieso alles das Gleiche ist: DUCT HEARTS haben im Laufe ihrer bislang achtjährigen Historie keine Revolution losgetreten und möchten dies offensichtlich auch in Zukunft gar nicht. Was tut man stattdessen, um immerzu gegenwartsrelevant zu bleiben? Man verfeinert den eigenen, von anderen etablierten Stil, und das ist den Münchnern mit "Feathers" gut gelungen.
Die Band bietet sich programmatisch in dramatisch-pathetische Höhen schraubende Songs feil, welche zumeist rein geräuschhaft respektive sachte beginnen und dann auf relativ vorhersehbaren Bahnen Fahrt aufnehmen. Das muss aber nicht einmal ewig dauern, zumal die schmachtende Leadstimme ohnehin Kurzweil garantiert, sondern äußerst sich im Gegenteil in teils sehr kompakten Tracks, in deren mitunter nur vierminütigem Verlauf alles Notwendige gesagt wird. "Feathers" mausert sich so im Laufe einer halben Stunde als nahezu "klassisches" Lieder-Album.
Das hat die Gruppe vermutlich im Rahmen der Entstehung ihrer zahlreichen Beiträge zu kleinformatigen Split-Vinyls gelernt, doch wie dem auch sei: Für ihr erstes Album ist der Idealfall eingetreten, denn es verzeichnet keinerlei Längen und bringt überraschungsfrei auf den Punkt, was gemeinhin aus dem zu Beginn aufgemachten Fass (Post und so …) in die Szene gluckert. Die Gesamtatmosphäre dabei? Verhalten hoffnungsvoll, quasi melancholisch mit Licht am Ende des Tunnels.
FAZIT: DUCT HEARTS - der Bandname verpflichtet bei der folgenden Deutung - kanalisieren sozusagen Herzblut, indem sie dem gefühlsschwangeren Post Rock seine Essenz mit allem Für (Pathos) und Wider (Berieselungs-Verdacht) abtrotzen. Eine nicht unerfreuliche Predigt für Bekehrte, das.
Punkte: 10/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 09.06.2017
Time As A Color / Broken Silence
31:42
09.06.2017