Nach all der blondtoupierten Riesenscheiße, die momentan aus Amerika kommt, wird der kleine Nachbar Kanada einem immer lieber und wächst einem gänzlich ans Herz. Das ist nicht nur politisch so, auch musikalisch. Bestes aktuelles Beispiel dafür sind THE FRANKLIN ELECTRIC, die mit „Blue Ceilings“ ein rundum liebevolles, romantisches, schwer emotionales Album eingespielt haben. Und so ganz nebenbei schufen sie mit dem Video zu ihrem wundervollen Song „The Strongest Man Alive“ <a href="https://www.youtube.com/watch?v=vIkuXvhCqn0&list=RD8F_OniAaGMI&index=6" rel="nofollow">eins der schönsten Zeichentrick-Musik-Videos aller Zeiten</a>.
Es sind lauter kleine Folk-Balladen, die man in dem – bis auf die Cover-Vorderseite – rundum schwarz gestalteten Album zum Besten gibt. Akustische Gitarren jubilieren dazu gemeinsam mit elektrischen, Trompeten blasen eine zärtliche Begleitung, während Synthieklänge zarte, weite Flächen zeichnen, aber auch viele bunte Tupfer setzen, Glockenspiele und Chöre sowie wunderschöne männliche Stimmen berauschen uns und immer wieder drängt sich ein Piano in den Vordergrund, vermittelt eine fast klassische Atmosphäre, während Bass und Schlagzeug schöne Rhythmen herbeizaubern. So schön und gefühlvoll klingt selten eine Band: ELBOW vielleicht oder BRUCE HORNSBY und sogar COLDPLAY während ihrer besten balladesken Momente. Und trotz vieler „Oooooohs“ und anderer vokaler Klangmalerei wirkt das, was für andere Bands der absolute Todesstoß ist, bei THE FRANKLIN ELECTRIC zu keiner Zeit peinlich, auch wenn sie es diesbezüglich manchmal doch ein wenig übertreiben.
Tief verstrickt in den Siebzigern, als uns SIMON & GARFUNKEL eine Brücke über das stürmische Wasser bauten und den Klang der Stille zelebrierten, oder DONOVAN und JAMES TAYLOR als großartige Singer/Songwriter auch vor wunderschönen Pop-Melodien nicht halt machten, breiten THE FRANKLIN ELECTRIC ihre „Blauen (Musik-)Decken“ aus und lassen sich darauf nieder. Tatsächlich versuchen sie dabei nicht, solche Musik zu kopieren. Nein, sie schnappen sich nur das Gefühl, das dieser Musik innewohnt und transportieren sie wie auf einem fliegenden Teppich, oder eben einer blauen Decke, in die Gegenwart. Dabei teilen sie uns mit inbrünstiger Überzeugung mit <a href="https://www.youtube.com/watch?v=8F_OniAaGMI&feature=youtu.be" rel="nofollow">„I Know The Feeling“</a> – und sowie wir diesen Song gehört haben, schenken wir ihnen erst unseren Glauben und dann unsere offenen Ohren.
Ganz am Ende dann unweigerlich auch unser Herz und das Versprechen <a href="https://www.youtube.com/watch?v=aOjEk0NwNAs&index=2&list=RD8F_OniAaGMI" rel="nofollow">„I Walk With You“</a>!
Kanada kann so schön sein.
Nicht nur der Landschaft und Menschen wegen.
Auch wegen der Musik.
Auch wegen THE FRANKLIN ELECTRIC.
Allerdings sind die mehr was für alle Weicheier unter uns, die noch immer gerne zu ihren Gefühlen stehen, während irgendein eiskalter, total von sich eingenommener, neoliberal wirtschaftsorientierter Typ was von „Warmduschern“ erzählt und danach heimlich bei „Atemlos“ ausgelassen auf einer popligen Karnevallsfete was von einer fünften Jahreszeit in seinen besoffenen Bart faselt.
Kommen wir also zu folgendem FAZIT: Wer auf sowas verzichten kann und gerne mal bei Kerzenschein, guter Musik und tiefgründigen Texten seine Seele baumeln lässt, der ist bei THE FRANKLIN ELECTRIC genau richtig aufgehoben! Breitet schon einmal die „Blue Ceilings“ aus!
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 25.02.2017
Jon Matte, Martin Desrosby
Jon Matte, Marcus Paquin
Jon Matte, Ken Pressé, Guy Kay, Marcus Paquin, Alexis Messier, Brad Barr
Jon Matte
Kevin Warren, Liam O'Neill, Liam Killen, Marcus Paquin
Jon Matte (Glockenspiel, Trompeten), Hein Cooper (Backing Vocals), Melanie Belair, Ligia Paquin, Amelie Lamontagne (Streicher)
Indica Records
41:36
24.02.2017