Die italienischen Prog-Rocker verweisen schon auf dem Cover von „Chaptersend“, dass sie die progressiv tickende Taschenuhr zurückdrehen. Zurück ins Siebzigerjahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts, in denen sich ihre großen Helden, nach denen auch sie zu klingen versuchen, tummelten: YES in erster Linie, aber auch GENTLE GIANT und die Canterbury-Szene, während zugleich selbst – besonders bei den vielen klassischen Piano-Ausflügen – RENAISSANCE und – bei den komplex rockenden, sogar leicht jazzigen, kraftvollen Momenten – KING CRIMSON nicht weit sind. Komischerweise klingen die Italiener aber nicht nach ihren Landsleuten LE ORME, PFM oder BANCO, da sie gänzlich auf die typische Prog-Theatralik und opern- bzw. arienhaften italienischen Gesang verzichten, dafür aber englischen, akzentfreien Gesang zu bieten haben.
Allerdings ist auch der Gesang nicht die unbedingte Stärke hinter MOGADOR.
Das kommt besonders durch <a href="https://www.youtube.com/watch?v=s64pFroz37g" rel="nofollow">„Josephine‘s Regrets“</a> zum Ausdruck, auf dem, nach <a href="http://musikreviews.de/reviews/2013/Mogador/Absinthe-Tales-Of-Romantic-Visions/" rel="nofollow">„Absinthe Tales Of Romantic Visions“</a> bereits zum zweiten Mal (nur) als Gast der ehemalige YES- und GLASS HAMMER-Sänger Jon Davison singt und deutlich als Vokalist hervorsticht, wobei natürlich dessen Stimme bei der intensiven YES-Orientierung der Italiener ideal geeignet ist.
Im Grunde genommen ist „Chaptersand“ ein musikalischer Zweiteiler geworden, der aus ganz neuen Aufnahmen im ersten, acht Songs umfassenden Teil und einem zweiten historischen Teil mit den Neuaufnahmen ihrer „Fundamental Elements Suite“ vom ersten MOGADOR-Album, besteht. Gerade der letzte Teil überzeugt durch seine unglaublich intensive YES-Schönheit und Symphonik, die zugleich keine Berührungsängste mit komplexeren, sehr dynamischen Momenten hat.
Die neuen Stücke, welche gut 40 Minuten auf der vollgepackten CD einnehmen, weisen nicht ganz so stark die YES-Orientierung auf und überzeugen durch Retro-Prog, bei dem besonders das zehnminutige <a href="https://www.youtube.com/watch?v=g9TjsEaO4iE" rel="nofollow">„Gentleman John“</a> hervorsticht, das nicht nur ein paar Jazz-Rock-Einflüsse, sonder zugleich deutliche GENTLE GIANT- und KING CRIMSON-Bezüge aufweist.
Auch sind neben dem bombastischen Prog, bei dem man – auch durch den akzentfreien englischen Gesang – glaubt, es mit einer typischen Ami-Retro-Prog-Band, wie beispielsweise ECHOLYN oder MARS HOLLOW, zu tun zu haben, oftmals die breit gefächerten akustischen Momente auf „Chaptersend“ besonders gelungen und ungemein reizvoll.
FAZIT: Sie sind wieder auf dem YES-Tripp mit vielen zusätzlichen, progressiven Siebzigerzutaten, wobei besonders beeindruckend die Neuaufnahme der „Fundamental Elements Suite“ von ihrem Debüt-Album klingt. „Chaptersend“ der Italo-Retro-Progger MOGADOR ist ihr bisher bestes Album geworden!
PS: Und wo das Album von Freunden guten Progrocks gekauft wird, ist ja eigentlich klar, <a href="http://www.justforkicks.de/detail.asp?sid=897902m213n216n199n30&uid=0&id=24341&lid=1" rel="nofollow">genau hier mit einem Klick</a> und nicht bei...
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 18.12.2017
Salvatore Battello, Luca Briccola
Marco Terzaghi, Richard Allen, Jon Davison
Luca Briccola, Salvatore Battello
Samuele Dotti
Richard Allen
Ida Di Vita (Violine), Luca Briccola, Elisa Salvaterra (Flöte)
Mentalchemy Records/Just For Kicks Music
73:57
01.09.2017