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Sons Of The Ark: Thirteen Waves

Stil: Atmosphärischer Rock

Cover: Sons Of The Ark: Thirteen Waves

Als vor drei Jahren die Debüt-EP der Kieler SONS OF THE ARK erschien, mochte man kaum glauben, dass es eine Hobby-Band mit D.I.Y.-Status ist, die aus dem Stand so ziemlich alles überholt, was im diffusen Dunst progressiv angehauchten, melancholisch-atmosphärischen Rocks Rang und Schulden hat. Ohne dass einer der Vergleiche wirklich treffend wäre: Gemeint sind Bands wie TOOL (deren Anklänge an Polyrhythmik hier begradigt werden), ANATHEMA (abzüglich des Suizidalen) oder auch THE GATHERING (die späten Alben ohne Gothic).

Die Meisterschaft der Band besteht darin, lakonisch kontemplativ auf der einen und doch berührend und involvierend auf der anderen Seite zu klingen, schwere Melancholie am Rande der Traurigkeit zu zelebrieren, ohne in gefühlsduseligen Kitsch abzugleiten, große Emotionen mit kleiner Geste zu transportieren.

Diese Leistung ist kaum hoch genug einzuschätzen, werden vertonte Gefühlsregungen doch in der Regel überhöht, um dem Hörer mit dem Holzhammer die Tiefe und Reichhaltigkeit der eigenen Innenwelt um die Ohren zu hauen. Der Preis ist die Trivialisierung, Unglaubwürdigkeit und daraus folgend Distanz, mithin das Gegenteil dessen, was der Komponist erreichen will.

Bei SONS OF THE ARK ist es am Ende gerade das Unprätentiöse, Unaufgeregte, vielleicht schlicht das Erwachsensein, das die Emotionalität so echt und die Band zu etwas Besonderem macht.

Der stilistische Ansatz bringt es allerdings mit sich, dass die Stücke einem nicht unbedingt mit dem nackten Arsch ins Gesicht springen, sondern mehrfach gehört werden wollen, um voll empfunden werden zu können. Beispielhaft nachzuhören ist das Genie der Truppe in der strahlenden Makellosigkeit von „Silence“, dem Song, der – um im Bild zu bleiben – die Büx zumindest halb unten hat, also am unmittelbarsten zündet. Doch auch wenn die Band ihren Stil hier am klarsten ausformuliert, ist die Platte randvoll mit wunderschönen, alle möglichen Schattierungen von grau durchleidenden, melodischen Kleinoden, die einem spätestens nach dem zehnten Durchlauf für immer ins Gedächtnis gebrannt sind. Vorausgesetzt, man bringt als Hörer die Geduld und Hingabe auf, sich mit der Platte zu beschäftigen, sie wachsen zu lassen, verstehen zu lernen – eine aussterbende Tugend, für deren Wiederentdeckung „Thirteen Waves“ einen hervorragenden Anlass bietet.

FAZIT: Für Freunde emotionaler Musik, die jeglichen Popanz in der Präsentation, jede marktschreierische Staffage gern entbehren und stattdessen den Song und ihn allein genießen, ist diese Scheibe eine Offenbarung.

Wer in Kiel lebt, läuft schnellstmöglich zu Blitz Records, um „Thirteen Waves“ abzugreifen, alle anderen bestellen via www.sonsoftheark.de für perfekt investierte 10,- € + P&V.

P.S. Und vielleicht pult sich beim einen oder anderen Label mal einer den Dreck aus den Ohren und schickt den Jungs ein Angebot…

Punkte: 14/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 29.10.2017

Tracklist

  1. The Long Road
  2. Deep Down Below
  3. Hope
  4. Silence
  5. Lost Desire
  6. Some Time
  7. Ferry To The World
  8. All You Want
  9. Leaving
  10. Everything Beautiful Ends
  11. Sway
  12. Present Waves
  13. To The Ground

Besetzung

  • Bass

    Frank Diener

  • Gesang

    Hauke Heinsohn

  • Gitarre

    Hans Hartwigsen, Sascha Paysen

  • Schlagzeug

    Maik Erzberger

Sonstiges

  • Label

    Eigenproduktion

  • Spieldauer

    65:24

  • Erscheinungsdatum

    29.10.2017

© Musikreviews.de