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TNNE: Wonderland

Stil: Progressive Rock

Cover: TNNE: Wonderland

TNNE zum zweiten. Dreieinhalb Jahre nach dem <a href="http://www.musikreviews.de/reviews/2014/TNNE/The-Clock-That-Went-Backwards/" rel="nofollow">HIER</a> gelobten „The Clock That Went Backwards“ meldet sich die Reinkarnation NO NAMEs mit „Wonderland“ zurück. Und dockt fast nahtlos an den Vorgänger an. Sprich, geboten wird klangvoller Neoprog mit wohligen Melodien und satter Rhythmik, nicht hyperkomplex, aber auch nicht zu ätherisch, um sich allzu lieblich im Auditorium aufzulösen.

So beginnt das Album gleich mit einer Saxophoneinlage Fred Hormains, der „My Childish Mind“ einen angenehmen Schlenker Richtung proggigem Soft-Jazz verleiht, wie ihn die holländischen Kollegen von SOLUTION vor Jahrzehnten so anheimelnd hinbekamen. Doch das währt nicht lange, denn bald bekommt der geneigte Neoprogger sein Hörfutter aus vollen Händen dargereicht. Die Keyboards produzieren fette Chöre und geschmeidige Läufe, sorgen damit für eine üppige Grundlage, auf der sich CAST-Mitglied Claudio Cordero an der Gitarre ebenso episch ausmehren darf. Bass und Drums bullern kräftig dazu, Sänger Patrick Kiefer ist einer der angenehmen Sorte, mit einem leichten Yogi Lang-Touch bekommt er auch solche Stellen hin, die ihn eigentlich volumenmäßig überfordern.

Bei „Eye Of The Storm“ wird härtemäßig ordentlich zugelegt. Der leichte metallische Anstrich bekommt TNNE gut, weil er die melodische Grundlage der Musik nicht zukleistert, sondern packend konterkariert. „Katrina Killed The Clown“ zeigt, dass Progressive Rock textlich längst über Elfen, Drachen, Ritter, Clowns und Einhörner hinausgewachsen ist. Der Song beschäftigt sich mit dem Sturm, der New Orleans fast vollständig zerstörte und ist eine Parabel über den zerstörerischen, von Menschen herbeigeführten Wandel des Klimas. Die Musik dazu ist für die düstere Botschaft etwas zu freundlich und harmonieselig. Gilt ähnlich für das romantisch-verträumte Titellied. Trotzdem feine Songs für die Herz-Schmerz-Fraktion, die sich gerne auch mal behaglich im Gestern einrichtet.

„Final Fantasy“ flirtet dann nicht mit J-Pop oder Videospiel-Soundtracks, sondern mit irischem Folk. Die gespielte Fiedel ist zwar nicht echt, aber gut programmiert. TNNE agieren abwechslungsreich, haben mitunter einen leichten Hang zum Pathos wie ihn die SIMPLE MINDS zu ihren erfolgreichsten Zeiten hofierten („Frozen In Time“). Gut abgehangen, solide interpretiert und atmosphärisch eingespielt. Bis auf etwas zu viel Gleichförmigkeit und Eklektizismus bei den schwächeren Stücken gibt es wenig zu meckern. Im Gegenzug setzt es immer mal wieder sympathische Einfälle und Breaks, die aufhorchen lassen. Inklusive der ansprechenden Texte ist „Wonderland“ eine runde Sache. Wer Innovationen sucht, begibt sich per se nicht dorthin.

FAZIT: TNNE vertreten die Luxemburger Neoprog-Fraktion weitgehend ohne Fehl und Tadel. Mehr davon braucht es zwar nicht, aber der NO NAME-Nachfolger um Keyboarder Alex Rukavina versteht etwas von seinem Geschäft, und bringt es so volltönend wie sympathisch zum Abschluss.

Punkte: 11/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 06.12.2017

Tracklist

  1. My Childish Mind
  2. Eye of a Storm
  3. Katrina Killed the Clown
  4. Wonderland
  5. Final Fantasy
  6. Frozen in Time
  7. Glittering Lights
  8. Eight Weeks
  9. Le Fil Du Temps (Bonus Track)

Besetzung

  • Bass

    Michel Casadei Della Chiesa

  • Gesang

    Patrick Kiefer

  • Gitarre

    Claudio Cordero, Cedric Gilis

  • Keys

    Alex Rukavina

  • Schlagzeug

    Gilles Wagner

  • Sonstiges

    Fred Hormain (saxophone)

Sonstiges

  • Label

    Progressive Promotion Records

  • Spieldauer

    59:31

  • Erscheinungsdatum

    26.09.2017

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