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The Loranes: 2nd

Stil: Rock

Cover: The Loranes: 2nd

Damit hausieren zu gehen, dass THE LORANES die "neue" Band des bei KADAVAR ausgestiegenen Bassisten Phillip "Mammut" Lippitz sind, wäre ebenso frech wie unnötig, denn die Gruppe bezeugte schon auf ihrem Einstand "Trust" (2015), das sie aus individuellem und sehr stabilem Holz geschnitzt ist, das man nicht mit fremden Federn schmücken muss, damit es sich hübsch im Plattenschrank ausmacht.

Noch besser ist es natürlich, das Trio auch wirklich in den Player zu stecken. Dann erlebt man basischen Rock, der sicherlich nicht völlig an der Ex-Kapelle des Tieftöners vorbeiläuft, aber dennoch einen anderen Schwerpunkt zu haben scheint - von der unterschiedlichen Atmosphäre ganz zu schweigen, denn die Stücke auf "2nd" kommen deutlicher noch als die des Debüts ohne jenes mittlerweile als unangenehm empfundenes Vintage-Flair aus, das vielen Trittbrettfahrern im Rahmen des Retro-Booms anhaftet.

THE LORANES grooven im Kontrast dazu regelrecht modern und kommen so direkt wie irgend möglich zur Sache. Will heißen: Refrains wurden mit Adleraugen fokussiert, und damit fallen die drei Herren genauso raubvogelhaft über den Hörer her, sodass dieser sich nicht ohne weiteres entziehen kann. Es ist eine Mixtur aus von Alters her Vertrautem und der ungezwungenen Herangehensweise der Musiker, die den unmittelbaren Reiz von "2nd" ausmacht.

So findet man sich rasch in der beileibe nicht komplizierten oder irgendwie ausufernden Materie ein, meint aber vor allem bei wiederholtem Hören ständig, zum ersten Mal etwas zu erkennen, das bis dahin noch nicht auffiel. Darum sind THE LORANES nicht unbedingt proggy oder origineller als der Rest, aber ein in beschränktem Maße unberechenbares Kleeblatt aus unterschiedlichen Stilblüten.

FAZIT: Hardrock-Hauruck mit Niveau und einem schrankenlosen Verständnis von Gitarrenmusik - so lassen sich THE LORANES und speziell "2nd" recht gut beschreiben, ein exponiertes Album zwischen Garagenlärm, flirrendem Post-Zeug und letzten Endes immer wieder König Riff, der wie ein Fallbei über jedem Zweifler-Nacken niedergeht. Man ist sogar geneigt, sich zu der Behauptung hinreißen zu lassen, Josh Homme würde sich freuen, noch einmal so ein leichtfüßiges Werk vorlegen zu können.

Punkte: 12/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 06.09.2017

Tracklist

  1. Elevator
  2. Get Away
  3. Get Free
  4. Golden Cage
  5. Mirror
  6. Never-Ending Love
  7. No Home
  8. Paint It Black
  9. Sick 6th Sense
  10. Soul On Fire
  11. Wildebeest

Besetzung

Sonstiges

  • Label

    Noisolution / Soulfood

  • Spieldauer

    38:28

  • Erscheinungsdatum

    08.09.2017

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