Zurück

Reviews

The Obsessed: Sacred

Stil: Hardrock/Doom

Cover: The Obsessed: Sacred

Ein bißchen befremdlich ist es schon, dass Doomfather Wino hier seine Kollegen, mit denen er einst SPIRIT CARAVAN aus der Taufe hob, reaktiviert hat, nur um das aktuelle Album unter dem THE-OBSESSED-Banner zu veröffentlichen. Ist Methamphetamin so teuer geworden oder haben Relapse da ihre Hand im Spiel? Im Ernst: Ich wäre froh, wenn Wino endlich seine Drogensucht überwunden hätte, denn es wäre tragisch, wenn ein so begnadeter Musiker vorzeitig ins Gras beißen würde, statt es zu rauchen.

Im ersten Durchlauf ist „Sacred" zwar solide, jedoch keineswegs ein offensichtlicher Meilenstein wie „The Church Within". Aber das Album ist ein verdammter Grower und nach zwei Wochen mehrmals täglichem Gebrauchs kann man doch konstatieren, dass es sich recht nahtlos an die über zwanzig Jahre alten früheren THE-OBSESSED-Werke anschließt, in Teilen diese sogar übertrifft.

So sind die drei ersten Alben der Band zwar durchweg verehrungswürdig, wenn es um die langsamen Songs geht, die schnellen Zwischenstücke konnte man aber getrost vergessen. Das ist heute doch etwas anders, gerade die Uptempo-Nummer „Punk Crusher" ist phasenweise beinahe Metal und könnte auch von MOTÖRHEAD stammen, obwohl die ja auch nie Metal sein wollten.

Wenn denn getragene Songs in Moll Doom sind, ist hier vieles Doom, wenn man den Begriff nicht überstrapazieren möchte, ist vieles düsterer und persönlich gehaltener harter Rock mit diskreter Blues-Note, man denke auch an PENTAGRAM, die nicht nur in eine ähnliche Kerbe hauen, sondern mit deren Ausnahmegitarrist Victor Griffin Wino auch eine gemeinsame Zeit bei PLACE OF SKULLS verbrachte. Ganz nebenbei hat man mit „Stranger Things" tatsächlch etwas wie einen Düster-Ohrwurm zustande gebracht, das ist der eigentliche klassische Hit auf „Sacred" und der vielleicht melodischste Song, den THE OBSESSED je veröffentlicht haben.

Und so wird langsam aber stetig aus einem okayen Album doch ein richtig gutes, das nur mit dem überengagierten und nervigen Refrain von „Razor Wire" einen verzeihbaren Makel hat. Völlig unverständlich, warum ausgerechnet dieser Song als Single ausgekoppelt wurde. Den Verlierern, die die CD-Version von „Sacred" bevorzugen, sei noch gesagt, dass gerade die beiden Bonustracks des Doppel-Vinyls ausgesprochen groß sind, wobei der Neun-Minüter „On So Long" eine Lektion in Sachen psychedelischen Hardrocks ist. Grandios.

FAZIT: Überraschend starkes Rückkehr-Album nach zwanzig Jahren Funkstille im Hause THE OBSESSED. „Sacred" braucht ein paar Durchläufe, wird dann aber zu einem Werk mit Suchtfaktor.

Punkte: 12/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 19.04.2017

Tracklist

  1. Sodden Jackal
  2. Punk Crusher
  3. Sacred
  4. Haywire
  5. Perseverance Of Futility
  6. It's Only Money (Thin Lizzy Cover)
  7. Cold Blood
  8. Stranger Things
  9. Razor Wire
  10. My Daughter My Sons
  11. Be The Night
  12. Interlude
  13. On So Long (Bonustrack)
  14. Crossroads (Bonustrack)

Besetzung

  • Bass

    Dave Sherman

  • Gesang

    Scott "Wino" Weinrich

  • Gitarre

    Scott "Wino" Weinrich

  • Schlagzeug

    Brian Costantino

Sonstiges

  • Label

    Relapse Records

  • Spieldauer

    57:12

  • Erscheinungsdatum

    07.04.2017

© Musikreviews.de