Die schottischstämmigen Kanadier THE REAL MCKENZIES begehen ihr 25-jähriges Jubiläum pflichtgetreu mit einem neuen Album, ihrem neunten, und wiederum starker Musik nach einstweiliger Durststrecke (höre den etwas schnöden Vorgänger "Rats In The Burlap" … oder eben auch nicht). Die Kehlen dürften sie sich im Zuge dessen auch ordentlich befeuchtet haben, und falls nicht, lädt "Two Devils Will Talk" zumindest dazu ein. <img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/f779cdb334bc4ebf9f393061db476e5a" width="1" height="1" alt="">
Was die Band seit je auszeichnete, ist ihre Unaufdringlichkeit, obwohl sie wenig anders machen als diverse Brüder im Geiste, doch wo etwa die irischstämmigen DROPKICK MURPHYS immer ein bisschen prollig wirken, tragen die Canucks ihr Herz nicht nur auf der Zunge, sondern auch in einem warmen, einfühlsamen Sound weiter. Dies bedeutet wohlgemerkt nicht, dass sich das Hören ihres halb akustisch arrrangierten Stoffes wie ein Kaffeekränzchen ausmacht.
Im Gegenteil, auch "Two Devils Will Talk" enthält so manchen Reißer, der speziell live für Furore sorgen wird. Ehrlich gesagt sind es aber gerade die stets subtil melancholischen Beiträge, die für diesen Hörer das Salz in der Suppe respektive Herz, Leber und Lunge im Haggis ausmachen. Was die Disziplin Ballade oder Quasi-Shanty betrifft, sind THE REAL MCKENZIES bestens aufgestellt, ohne sich in Klischees ergehen zu müssen, und das macht sie auch nach zweieinhalb Jahrzehnten noch außerordentlich sympathisch.
Ungeachtet solcher Schoten wie 'Fuck The Real McKenzies' (ein Ohrwurm dennoch) fehlen der Platte die tiefer schürfenden Texte nicht, und selbst in 'Drunkards Lament' macht man weniger Ironie aus als eine nachdenkliche Subebene. Ja, ja, das Alter … Ob die Herren auf ihre goldenen Jahre hin weise geworden sind, wissen wir nicht, aber dafür steht fest:
FAZIT: THE REAL MCKENZIES haben in all der Zeit nichts von ihrem Glanz eingebüßt und stehen demnach an der Spitze der Folk-Punk-Bewegung, wo selbst die aufstrebende Generation neuer Bands nicht an ihnen kratzen kann. "Two Devils Will Talk" legt die Messlatte ungeheuer hoch an, sowohl für die Gruppe selbst als auch für potenzielle Mitbewerber. "Party and ponder", dieses dualistische Motto könnte man der Scheibe unterstellen.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 26.02.2017
"Little" Joe Raposo
Paul McKenzie
"Dirty" Kurt Robertson, Mark "Bone" Boland, Dave Gregg
Sean Sellers
Matthew James "MacNasty" Hawley (Dudelsack)
Fat Wreck
43:23
03.03.2017