Diese noch sehr junge Kapelle (Gründungsjahr 2015) leistet in Sachen Authentizität und Songwriting Beachtliches; THE SCOTTY BULLOCK TRIO haben sich einer Mischung aus frühem Briten-Beat, amerikanischer Surfer-Mucke und Rockabilly-Klischees mit Country-Versatz und etwas Punk-Schnoddrigkeit verschrieben, was sich eklektischer liest, als es klingt, aber das ist der Nostalgie zuliebe auch gut so.
Kontrabassist Felix Wenz, dessen Hundehütte herrlich bauchig brummt, und der ebenfalls im Hintergrund singende Trommler Harry Weber schlagen gemeinsam mit Frontmann Scotty niveauvollen Lärm, den man wohl nur in den 1950ern als solchen wahrgenommen hätte, wohingegen ihre Musik heute auf charmante Art wie aus der Zeit gefallen wirkt. Der Sänger und Gitarrist hat exaltierte Elvis-Kiekser ebenso perfekt drauf wie das Mundharmonikaspiel. Spritzige Lyrics mit anachronistischen Inhalten schreibt er obendrein, sodass man sich auf ein komplettes Retro-Programm einstellen darf.
Rings um den herausragenden Videotrack 'Hipster!' findet sich auf "Love Seeker …" kein wesentlicher Ausschuss. THE SCOTTY BULLOCK TRIO überschlagen sich nicht, sondern beweisen gemessen daran, dass es sich bei der Scheibe um ihren Einstand handelt, sowohl innere Ruhe als auch - es mag gegensätzlich erscheinen - einen nach außen gerichteten Drang, sich mitzuteilen, als würden sie vor Einfällen platzen.
So reicht das dynamische Treiben ein gutes Stück weit über die Wurzeln der Mitglieder hinaus, die man insbesondere bei Link Wray und Dick Dale verortet. 'Wagon Wheel' (Bob Dylan) überrascht beispielsweise als straighter Achtel-Ohrwurm mit düsterem Americana-Intro (die Neuinterpretation von Amy MacDonalds 'This Is The Life' ist schon zuvor eine komplette Ballade in diesem Stil), wohingegen das Instrumental 'Jack The Ripper' (tatsächlich von Mr. Wray) jenen Horror in Aussicht stellt, den die Combo schon mit dem historischen Exploitation-Foto auf dem Cover angekündigt hat.
FAZIT: Asse, Spielwürfel, Totenschädel, Klamotten aus Schachbrettmuster-Stoff und Hot-Rods … Scotty Bullock zaubert mit seiner Profi-Rhythmusgruppe bei transparentem Trio-Sound taufrische Coverversionen aus dem Fundus von u.a. Bob Vidone und Jerry Reid, die aber sogar vernachlässigbar erscheinen, wenn man sie den Eigenkompositionen des Namengebers der Band gegenüberstellt. <img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/454998a3643342029a1b2b26904da01a" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 13.09.2017
My Redemption
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15.09.2017