Zurück

Reviews

The Texas Gentlemen: TX Jelly

Stil: Americana

Cover: The Texas Gentlemen: TX Jelly

Der Bandname ist Programm, aber hinter "TX Jelly" steckt letztlich doch mehr, und das mag man gleichfalls bereits am Titel des Albums erkennen. Country-Muzak ist nur eine Geschmacksnote des jedes Frühstück bereichernden Aufstrichs, den die Macher serviert haben. Die Hauptprotagonisten um Zeremonienmeister Beau Bedford - Nik Lee, Daniel Creamer, Matt McDonald und Ryan Ake - baten Kolleginnen und Kollegen um Hilfe, damit ihr süßer Marmeladentopf nicht anbrennt, und das ist auch in der Tat nicht einmal ansatzweise geschehen.

Die u.a. von Jedermann-Songwriter Dan Dyer und Country-Ikone Frederick Heath (geboren in den 1930er, höre 'Shakin' All Over' bzw. THE FIVE NUTTERS) geschriebenen fremden Stücke vereinen sich mit durch und durch eigenen Preziosen, und dies im wahrsten Sinn des Wortes: THE TEXAS GENTLEMEN müssen beim Schreiben Schmetterlinge im Bauch flattern gespürt haben, so wonnig sonnig klingt ihre Musik, vor allem in Anbetracht ihrer Herkunft.

Andererseits: Hier Texas-Klischees von unbefestigten Straßen gen Hinterwald, wo der Hund begraben liegt, und roten Nacken zu bemühen, wäre im Gegensatz dazu unangemessen, auf die hochwertige musikalische Ausbeute hinzuweisen, die der "Lone Star State" für sich in Anspruch nehmen darf. Was dies betrifft, tun THE TEXAS GENTLEMEN dem Vermächtnis ihrer mit Cowboyhut rockenden und rollenden Nachbarn keine Schande.

'My Way' und 'Gone' sind unter Mitwirkung von Gospel-Star Paul Cauthen entstanden, und insgesamt trugen locker mehr als 20 Musiker zum Gelingen dieses Werks bei. Funk-Spitzen wie schon im reißerischen Opener 'Habbie Doobie' zeugen davon, dass die Scheibe im Americana-Kontext nicht sklavisch retrospektiv ausgerichtet ist; vielmehr interpretieren THE TEXAS GENTLEMAN das, was ihren Stil ausmacht, recht freizügig, und zwar nicht selten mit überdeutlichen Verweisen auf die BEATLES, nicht zuletzt durch schmissigen Satzgesang.

Die latente Poppigkeit des Albums lässt sich also nicht leugnen, als hätte man es angesichts der quietschbunten Gestaltung des Layouts nicht schon ahnen können. Wenn diese famosen typen dann ein Stück das vergnügliche 'Pain' (bittersüß gewissermaßen) absichtlich unfertig wirken lassen, ist man geneigt, sie als Indie-Country-Kapelle zu bezeichnen.

FAZIT: "TX Jelly" könnte sich als Markenname etablieren, wenn man bedenkt, wie virtuos sich THE TEXAS GENTLEMEN aus zahlreichen Anspielungen auf die Rockhistorie in ihrem Land ein sehr eigenes Süppchen zusammengekocht haben. Dass eine immer auf den Puls der Zeit schielende Ikone wie Kris Kristofferson die Gruppe liebgewonnen hat, ist daher sehr gut nachvollziehbar. Bitte entdecken Sie jetzt, deutsches Publikum! <img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/016719945a674748ae3d4e7e10fcc2c6" width="1" height="1" alt="">

Punkte: 12/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 14.09.2017

Tracklist

  1. Habbie Doobie
  2. Pain
  3. Bondurant Women
  4. Dream Along
  5. Gone
  6. My Way
  7. Superstition
  8. TX Jelly
  9. Pretty Flowers
  10. Shakin All Over
  11. Trading Paint

Besetzung

Sonstiges

  • Label

    New West Records / PIAS / Rough Trade

  • Spieldauer

    47:35

  • Erscheinungsdatum

    15.09.2017

© Musikreviews.de