THE WHISKEY FOUNDATION haben sich nicht ohne Grund im Vorprogramm von AC/DC behaupten können, doch wer das liest und gleich glaubt, es handle sich um eine weitere abgeschmackte Minimal-Hardrock-Combo im Fahrwasser der Youngs, liegt ziemlich falsch. Die Band arrangiert üppiger und spielt facettenreicher auf, obgleich sie prinzipiell in ähnlichen Gefilden wildert wie ihre Konzertpartner, zu denen übrigens auch schon VINTAGE TROUBLE zählten. Deren Sound steht ihnen dann auch tatsächlich näher …
Die teilweise aus dem Milieu der Straßenmusik kommenden Mitglieder wissen, worauf es ankommt, um Hörer jedes Menschenschlags für sich einzunehmen: große Gefühle, die über alle Kulturkreis hinweg verstehbar sind und erlebt werden, sowie kompositorische Prinzipien, die sich im Rock bzw. Pop über die Jahre hin etabliert haben. Überdeutlich zeugt davon bereits der gospelig slowe Beginn 'Complaints', wobei Frontmann
Sänger Murat Kaydirma, der auch gekonnt in die Mundharmonika bläßt schluchzt um sein Leben, klanglich oft leicht übersteuert in Szene gesetzt, wie man es von Roots-Rock-Acts aus den Vereinigten Staaten kennt. Das schwelgerische 'Try to Handle' scheint ihm auf den Leib geschneidert worden zu sein, genauso die Ballade 'Unspoken Dreams'.
'Funk the Boogie', das seinen Titel ebenso wie 'Juice 'N' Jam' zu Recht trägt, liegt stilistisch auch recht nahe am abschließenden 'Soul Man', das die spielerischen Qualitäten der Gruppe noch einmal gesondert hervorhebt, als habe man sie nicht bereits während der ersten Spielminuten der Scheibe erkannt. Stilistisch sind die Jungs breit aufgestellt, sodass während 'Chimes at Midnight' sogar ein bisschen Broadway-Flair aufkommt.
Allen Stücken gemein ist ein vordergründiger Orgel-Schmelz, der einen warmen Gesamtsound garantiert, gleichwohl auch "nur" Klavier geht, wofür 'Free My Mind' beispielhaft steht. Die Münchner um Gitarrist Pascal Fischer (LUCKY FISH) sind nicht nur für eine deutsche Combo beachtenswert, die obendrein noch kein Jahrzehnt lang am Start ist, sondern könnten auch international einiges reißen, wenn man sie dem richtigen Publikum aufdrängt.
FAZIT: "Blues And Bliss" ist in allen Belangen ein Fortschritt gegebenüber "Take the Walk" und dem direkten Vorgänger "Mood Machine". Man wünscht sich, die Mär vom dritten Album einer Band, das als "make it or break it" gilt, bewahrheite sich im Fall von THE WHISKEY FOUNDATION, denn mit dem eigenständigen Bluesrock, den die Platte bietet, stehen ihren Schöpfern im Prinzip viele Türen offen. <img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/8a4d6cad7aa847c3a143fe4ea98ef91f" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 15.11.2017
Sun King / Broken Silence
43:48
03.11.2017