Nur zwei Jahre nach „Wonder Days“ erscheint mit „Rip It Up“ das neue Album der seit 1989 aktiven THUNDER. Sehr erfreulich, dass Ben Matthews nach überstandener Krebserkrankung als Gitarrist und Keyboarder wieder mit am Start ist.
Die Musik setzt nahtlos da an, wo der Vorgänger aufhörte. Etwas geglättet, die Riffs nicht ganz so schneidend und voller melodiöser Power. Das rockt und rollt immer noch stabil, besonders „Shakedown“ ist ein rüder Ritt, zeigt aber besonders Wirkung, wenn das Tempo gedrosselt wird, denn THUNDER haben ein Händchen für unpeinliche Balladen, die Danny Bowes mit seinem knautschigen Bierkutscher-Organ passend veredelt.
So hangeln sich THUNDER durch die Areale zwischen Hard- und Pub-Rock, mit ein bisschen Southern-Feeling dann und wann, so wie die Londoner es verstehen. Es gibt Reminiszenzen an LED ZEPPELIN („Heartbreak Hurricane“), THE WHO („Tumbling Down“) oder bei „In Another Life“ ein Hauch von DOORS-Blues, inklusive feinen Orgel- und E-Piano-Parts (der stärkste Song des Albums).
Avantgarde findet man natürlich keine auf „Rip It Up“, tränengebärender Kitsch ist ebenfalls nicht fern. Aber irgendwie muss das bei dieser Art von Musik so sein. In schmierigsten BON JOVI-Glibber rutscht die Band nicht ab, das macht durch die Bank Laune. Mal mehr, mal weniger - gelegentlich dudelt es etwas belanglos oder aufgewärmt vor sich hin („The Enemy Inside“). Ist dennoch in seiner Gesamtheit ein treuer Begleiter für laue Abende am Tresen oder mit der ein oder anderen Kiste Bier und ein paar Flaschen Whisky am Grill. Muss von allem nicht das teuerste sein.
FAZIT: Kollege Schiffmann resümierte zu „Wonder Days“: „THUNDER sind weiterhin eine Bank für Hardrock der zeitlosen Sorte“. Daran hat sich zwei Jahre später nichts geändert. Gut, die Riffs sind nicht so scharfkantig und frisch, alles klingt etwas gesetzter, besitzt aber noch genug von jener Rauheit, die von Herzen kommt. Die emotionalen, langsameren Stücke überzeugen sogar ein wenig mehr als der härtere Stoff. Insgesamt ist das Verhältnis aber ausgewogen, „Rip It Up“ ein würdiger Begleiter zum Feierabendbier in der Stammkneipe.
Wie beim vorigen Werk existiert „Rip It Up“ in verschiedenen Fassungen: Als einfache CD (wie die Rezensionsvorlage), in der ersten erweiterten Ausgabe ergänzt um die „Broken Mirror“-EP; als Doppelalbum auf Vinyl, als opulent ausgestattetes Set in unterschiedlichen Varianten, in der Grundform mit 3 CDs, wobei es den "Live At The 100 Club"-Auftritt auf zwei Silberlingen als Bonus gibt. Außerdem kann man „Rip It Up“ tatsächlich auf Kassette käuflich erwerben. Günstiger als beim unten angegebenen großen Versandhandel gibt es die unterschiedlichen Editionen via Band-Homepage zu kaufen.
Punkte: 10/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 21.05.2017
Chris Childs
Danny Bowes, Luke Morley
Luke Morley, Ben Matthews
Ben Matthews
Harry James
earMUSIC
51:18
10.02.2017