Immer wenn man den Namen TITO & TARANTULA hört, fühlt man sich im Grunde an Horror-Filme erinnert. Horror-Filme, die ohne die Musik von TITO & TARANTULA wohl nie so wirkungsvoll gewesen wären.
Und dass <a href="https://www.youtube.com/watch?v=hvnL4dtqIY8" rel="nofollow">diese Mixtur aus Blues, Rock und Americana mit „From Dusk Till Dawn“-Horror</a> hervorragend auch live auf der Bühne funktioniert, ist auf der opulenten 2-DVD-2-CD-Box mit den Rockpalast-Auftritten aus den Jahren 1998 und 2008 bestens dokumentiert. Noch dazu gibt es als Bonus auf der zweiten DVD einen der ungewöhnlichsten Auftritte der horror-rockenden Amerikaner, bei dem sie im Jahr 2002 in Sarajevo, der Hauptstadt von Bosnien-Herzegovina, in einem Club auftreten sollten, der nur knapp 350 Personen fasste. Der Zuschauerandrang war aber so riesig, dass die Band, welche durch ihren 1996er-Auftritt im Tarantino-Rodriguez-Kultfilm „From Dusk Till Dawn“ mit dem Song <a href="https://www.youtube.com/watch?v=ypP1UVutVfw" rel="nofollow">„After Dark“</a> weltberühmt geworden war, ihr Konzert einfach direkt auf die Straße verlegten und so aus dem Club-Abend ein Open-Air-Ereignis vor über 5.000 begeisterten Fans werden ließ. Eine wunderbare und zugleich historisch sehr wertvolle Beigabe, die sich wahrscheinlich selbst als Extra-DVD ausgezeichnet verkauft hätte. Auf den Audio-CDs ist dieser Auftritt allerdings nicht zu hören. Gleiches gilt auch für die beiden Rockpalast-Titel „After Dark“ und „Forever Forgotten & Unforgiven“ vom Burg Herzberg Festival aus dem Jahr 2005.
So präsentiert das erste Rockpalast-Konzert von TITO & TARANTULA am 21. Juni 1998 auf der Loreley eine noch immer im Erfolgshoch schwelgende Band, die wohl selber am allermeisten von ihrem gigantischen, durch einen abgefahrenen Horror-Film herbeigeführten Superstar-Staus überrascht worden war. Selbst ihre gerade veröffentlichte CD „Tarantism“ (1997) ging wohl besonders wegen „After Dark“ verkaufstechnisch durch die Decke. Im Gegensatz zu späteren Konzerten ist beim ersten Rockpalast-Auftritt sogar noch die Geigerin und Mandoline- sowie Harmonika-Spielerin LYN BERTLES bei TITO & TARANTULA dabei, die dem Konzert ein zusätzliches Folk-Flair verleiht. Schade, dass sie bei den folgenden Aufnahmen nicht mehr mit dabei ist.
Überhaupt unterliegen TITO & TARANTULA einem wilden Besetzungskarussell, wie es aus den vier Konzertmitschnitten, die man auf der DVD verfolgen darf, zu entnehmen ist:
*<b>1998 auf der Loreley</b> tritt die Band noch als Quintett auf;
*<b>2002 in Sarajevo</b> als Quartett, von dem nur Tito noch übrig geblieben ist;
*<b>2005 beim Burg Herzberg Festival</b>, wieder ein Quartett, bei dem neben Tito Gitarrist Steven Hufsteter weiterhin dabei ist;
*<b>2008 in der Bonner Harmonie</b>, weiterhin als Quartett, wobei diesmal Caroline Rippy Dominique Davalos am Bass ersetzte.
Besonders schön ist auch die Geschichte um das Bonner Konzert, bei dem während „After Dark“ das weibliche Publikum die Konzert-Bühne erobert – ein Relikt aus vergangenen Zeiten, das bei vielen Konzerten zur festen Tradition wurde, über deren Ursprung Tito Larriva uns im 12seitigen Booklet aufklärt: „In unseren Anfangstagen in Hollywood spielten wir auch diesen Song und plötzlich kam eine junge Frau auf die Bühne und fing an zu tanzen. Nach und nach entledigte sie sich ihrer Klamotten und war zum Ende des Songs splitternackt! Erst später fanden wir heraus, dass sie Geburtstag hatte und diesen wohl im Rampenlicht feiern wollte.“
So viel sei aber vorab verraten: spitternackte Frauen sehen wir (leider) bei keinem der vier Konzertmitschnitte.
Trotzdem sind alle Konzerte ein echter Genuss für die Augen und Ohren, egal, ob man nun Fan der Band oder eben der Rockpalast-Serie ist. Dieses gigantische Box, die außerdem über einen mir in dieser Form bisher völlig unbekannten Aufklappmechanismus zum Entnehmen der CDs und DVDs verfügt, ist ein Highlight der gesamten Serie!
FAZIT: Ein weiteres echtes Goldstück aus der Rockpalast-Serie! TITO & TARANTULA, gebannt auf zwei DVDs und 2 CDs mit drei Rockpalast-Auftritten (1998, 2005 und 2008) und einem absolut ungewöhnlichen Sarajevo-Konzert aus dem Jahr 2002. Ein fettes Digipak mit informativem Booklet und großartigen Konzerten, die von ihrer Bild- und Ton-Qualität kaum Wünsche offen lassen.
Erschienen auf www.musikreviews.de am 05.09.2017
Jennifer Condos, Io Perry, Dominique Davalos, Caroline Rippy
Tito Larriva, Peter Atanasoff, Jennifer Condos, Lyn Bertles, Io Perry
Tito Larriva, Peter Atanasoff, Sven Hufsteter
Nick Vincent, Achim Fäber, Fredo Ortiz
Lyn Bertles (Violine, Mandoline, Harmonika, Rekorder)
MIG Music GmbH
350:59
25.08.2017