Zurück

Reviews

Tobias Schössler: Sections

Stil: Piano Solo

Cover: Tobias Schössler: Sections

Im Jazz-Kontext könnte man Stürme der Empörung hervorrufen, indem man sich kompositorisch kurz fasst, doch genau dies hat Pianist Tobias Schössler auf "Sections" getan. Ohne Umschweife kommt der Westfale mit seinem neuen Album auf den Punkt, und das tut wahrscheinlich nicht nur ihm, sondern auch dem Hörer gut.

"Sections" wurde traditional am Klavier sitzend ersonnen, und zwar ausgehend von den Bällen, die das Leben dem Künstler wie auch allen anderen Menschen in unvorhergesehener Weise ständig zuspielt. Inspiration schöpfte Schössler also unmittelbar aus seinem eigenen Erfahrungsschatz, doch ob es sich dabei um folgenschwere oder triviale Alltagsereignisse handelt, bleibt dank seiner offenen musikalischen Art ebendies - offen.

Schon der Vorgänger "Letters Late", realisiert im Duo mit Schlagzeuger Klaus Wallmeier, war ein minimalistisches Werk mit maximaler Assoziationsdichte. Die Hommage 'For Moondog' wirkt auf den ersten Hör simpel-reduktionistisch, aber auch ergreifend in ihrer überschaubar zweistimmigen Anlage. Schössler spielt mit nicht vorhersehbaren, aber nicht abweisenden Akkordharmonien, und Bewegung bzw. Dynamik - das merkt man gleich zu Beginn, ist das sprichwörtliche A und O von "Sections".

Dies bestätigt das hypnotische 'Spaces' und verdeutlicht zugleich, wie wichtig auch Leerstellen inmitten gespielter Töne sind denn wie der Mensch selbst sollte auch Musik atmen. Gleichsam repetitiv und fast klangmalerisch wie Debussy wirkt indes das perlende 'Open', wohingegen 'Song in the Corner' nicht umsonst so heißt, denn dabei handelt es sich um das mit Abstand am leichtesten mitsingbare Stück auf "Sections".

'Cantus Morbidus' beruht wiederum im Grunde nur auf einem Akkord, der in alle erdenklichen und weniger naheliegenden Richtungen erweitert wird. 'Air', das längste Stück mit knapp unter fünf Minuten, mutet regelrecht lakonisch an und zeigt den Pianisten stark rhythmisch fokussiert. Hier achte man auf die subtile Veränderung der Tonhöhe bei jedem Anschlag. Denkt hier noch jemand an die Serielle Musik von John Cage? Das glockenhelle 'Time' beschließt danach einen aufregenden Liederreigen, der eines eindrucksvoll beweist …

FAZIT: Intensive, facettenreiche Musik muss nicht auf Überlänge breitgetreten werden. Tobias Schössler schuf für "Sections" weniger als eine halbe Stunde davon in hohen Dosen. Ihr Vielspieler der Welt, hingehört bei diesem Musterbeispiel für Wortkargheit mit maximalem Inhalt! <img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/6afb5d5cabd64fccb8a80e21e96f7d2e" width="1" height="1" alt="">

Punkte: 13/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 24.11.2017

Tracklist

  1. For Moondog
  2. Spaces
  3. Open
  4. Song In The Corner
  5. Cantus Morbidus
  6. Air
  7. Time

Besetzung

Sonstiges

  • Label

    wwrecords / freibank music

  • Spieldauer

    24:56

  • Erscheinungsdatum

    03.11.2017

© Musikreviews.de