Der griechische Begriff "therion" deutet auf einen Seinszustand zwischen Mensch und Tier hin, steht also stellvertretend für persönlichen Wandel. Schlagzeuger und Perkussionist Tommy Caggiani aus Italien, der sich zur Umsetzung seiner rhythmischen Ideen u.a. auch diverser Gongs behilft, versteht "Magic Seeds" als eine Art Transformationsritual in fünf Stufen, deren jede einen Track des Albums ausmacht.
Die im Schnitt neun Minuten lange Kompositionen fußen auf der Interaktion zwischen E-Gitarre und Bass neben Klavier und Holzblasinstrumenten (Altsaxofon und Flöte), die der beeindruckede Guillem Ferrer spielt. Im Zentrum des Quintetts steht sein Namengeber wider Erwarten nicht immer. Dadurch, dass die Kompositionen jeweils unterschiedliche inhaltliche Schwerpunkte betonen, rückt ein anderes Mitglied in den Vordergrund, wobei die Aussage der Musik insgesamt im konzeptionellen Zusammenhang Priorität vor etwaigen Eitelkeiten persönlicher Art genießt.
'Mali' soll Ohnmacht und Hoffnungslosigkeit aufheben, Selbstakzeptanz lehren und auf die Welt bezogen ein Zugehörigkeitsgefühl vermitteln, was verstärkt mittels tiefer Tonfrequenzen geschieht, also der unteren Register auf dem Manual. Hinzu kommen eine hypnotische Bassfigur und ungleich beweglichere Saxofon-Melodien, die das Projekt vom Start weg im Ethno Jazz verorten.
"Magic Seeds" bleibt aber erwartbar ruhig, kratzt nicht auf und ist trotzdem kein New-Age-Schmalz. 'Sideral Side Of Mind' stimmt aufs Abschalten des Kopfes zugunsten der Intuition ein - mit mystisch anmutender Flöte, die nach Ägypten zu führen scheint, ehe 'Corrientes Del Sur' seinem Titel gemäß eher mediterran wirkt. Bestechend hier: der glockige Einsatz der Gongs.und die stetig zunehmende Energie bis zu Ende.
Die Sonne als Symbol des Lebens und der Kraft ist danach Gegenstand von 'Fruit Of The Sun', dem wohl lebhaftesten Track des Albums. So rhythmisch wie hier wird die Gruppe daraufhin nicht mehr, denn 'Aralar Sundance', das Depressionen aufheben und animieren möchte, damit der Empfänger seinen Lebensentwurf in die Tat umsetzt, ist als sachtes Geläut mit getragenem Puls auf Einkehr ausgelegt.
FAZIT: Kein Wunder, dass Tommy Caggiani auch als Therapeut arbeitet … "Magic Seeds" ist Meditation oder Klang-Yoga vor durchgehend markanter Soundkulisse, ein Entspannungsalbum der tiefgründigen Sorte statt bloßer Beschallung. Per Verweis auf die Musikkultur von vor allem Nah- und Mittelost ruft der Künstler zu Selbstermächtigung und Lebensfreude auf, ohne den Hörer zu bedrängen. Das würde seiner selbstauferlegten Mission schließlich auch zuwiderlaufen.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 14.09.2017
Hevhetia
46:35
15.09.2017