Der ehemalige TNT- und Shy-Frontmann TONY MILLS bot schon auf dem Vorgänger zu „Streets Of Chance“ AOR in genau der Form, die man als Freund kraftvoller Gitarren hören möchte – voller Schmelz im melodischen Departement, während das Keyboard die Riffs zu keiner Zeit unterbuttert, ganz zu schweigen von der einfühlsamen und dennoch kernigen Leadstimme. Die neun Stücke dieses Albums gestalten sich stilistisch positiv einheitlich, ohne dass man sie beliebig untereinander austauschen könnte, denn dies schließen allein schon die Gesangs-Hooks des abgeklärten Briten aus.
„Das Musikgeschäft ist auch so etwas wie eine Straße der Möglichkeiten“, diktierte uns MILLS kürzlich zur Erklärung des Titels. „An jeder Ecke Chancen tun sich Chancen auf, die Gutes wie Schlechtes nach sich ziehen können. Sie sind genauso wichtig wie die Musik. Selbst wenn ich welche singe, die jemand anderes geschrieben hat, müssen sie mir stimmig vorkommen und grammatikalisch korrekt sein; andernfalls verwende ich sie nicht. Melodien spielen ebenfalls eine Rolle. Manchmal sind sie das A und O, ein andermal nicht ganz so wichtig. Generell liegen mir am ehesten Songs, die etwas Bestimmtes ausdrücken oder Probleme zur Sprache bringen. Dieses Album hat weniger mit Politik zu tun, sondern beschäftigt sich mit Liebe und dem Leben an sich, was ich bisher noch nie getan habe.“
Seine Stimmungspalette beläuft sich aktuell auf dezent leutselige Songs, die jedoch stets einen gewissen Kampfgeist vermitteln, und das nicht nur in ihren differenziert kritischen, persönlichen Texten. Das hintere Drittel der Scheibe markiert sogar das stärkste, wo anderen Acts häufig die Luft ausgeht. Vor allem wirkt „Streets Of Chance“ allerdings nicht wie Zugzwangsmusik eines lieblos zusammengeschusterten Projekts, sondern klingt in seinem Flow wie organisch gewachsen – ein mittelschwerer Ritterschlag in diesem Genre.
FAZIT: Als TONY MILLS im August 2013 seinen Hut bei der norwegischen Melodic-Rock-Institution TNT nahm, blickte er bereits auf mehrere erfolgreiche Soloalben zurück, von seiner Zeit bei der denkwürdigen NWOBHM-Fußnote SHY ganz zu schweigen. Mittlerweile hat sich der Brite als Einzelgänger im AOR-Bereich etabliert und glänzt aktuell aufs Neue mit „Streets Of Chance“, einem standesgemäßen Genre-Album mit teilweise bemerkenswert harten Ausschlägen und Texten, die eben nicht nur schmuckes Beiwerk sind. <img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/34c2345d2f014e7b94372aba3ca5a29e" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 11.09.2017
Battlegod / Soulfood
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01.09.2017