Stellt euch vor, TANGERINE DREAM in „Atem“-, Zeit-“ und „Alpha Centauri“-Äonen hätten Heavy Metal gespielt, dann wäre vermutlich so etwas wie „The Empire Never Ended“ herausgekommen. Massive Drones, schwerblütige Gitarrenriffs, die über Minuten anschwellen, nur um wieder abzuklingen, später ein blubberndes Dröhnen, zerhackt durch filigrane Störgeräusche, nur selten quillt ein Melodiefetzen aus diesem Ungetüm hervor.
„Monolithisch“ wird das launige Erzeugnis, welches TWINESUNS präsentieren, gerne genannt und klingt wie ein Hochofen in der Hölle während der Nachtschicht. Zumindest aber, als stünde er mitten in Silent Hill. Auf ein Schlagzeug wurde verzichtet, die zäh fließenden Sounds werden mit Gitarren, Synthesizern und ein paar Effektgeräten erzeugt, mehr nicht. Das reicht für eine über fünfundsiebzigminütige Meditation im großen Unbehagen, hin zu jenem imaginären Punkt, an dem Hitze in die Kälte der Verlorenheit umschlägt.
Und wenn Stimmen hinzukommen, wird nicht mehr gegrowlt, sondern irgendwie im Ungefähren werden Töne knurrend zermahlen. Trotz der fast pastoralen Bedächtigkeit keine Musik für die Wellness-Oase. Faszinierend und eine Übung in Gelassenheit und Geduld. Play loud.
FAZIT: TWINESUNS zeigen auf ihrem zweiten Longplayer wie spannend Musik sein kann, wenn sich scheinbar gar nicht so viel bewegt. Oder gerade dann. Eine Umwälzanlage im Zentrum eines Horrorfilms. „Vorsicht automatischer Schrapperbetrieb!“ – In Zeitlupe.
Punkte: 10/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 03.03.2017
C.
R. T. Especial
C., Florian von der Ohe
R. T. Especial
Pelagic Records/Cargo
75:52
27.01.2017