Dieser Bremer Stadtmusikant pflanzt sich mit seinen Liedern zwischen mehrere Stühle, passt aber trotzdem oder just deswegen prima zu der Plattenfirma, die sich seiner angenommen hat, und legt mit "Stadion" ein in sich stringentes Album vor.
Hinter der klamaukhaften Art und Weise, auf die sich Grillmaster Flash visuell und in seinen Texten in Szene setzt, stecken sowohl seriöse Musik als auch lautere Anliegen, die über bloße Bespaßung hinausgehen. Wie es bei Künstlern auf Grand Hotel Van Cleef zum guten Ton gehört, sind die Lyrics des Mannes durchweg lesenswert … was natürlich nichts bedeuten würde, wären die dazugehörenden Songs Larifari.
Und das sind sie auch nicht. Grillmaster Flash bietet im Grunde genommen gebräuchlichen Indie Rock feil, doch dieser wurde trickreich arrangiert, von ihren ansteckend gutgelaunten Melodien ganz zu schweigen. Der Mann, über dessen Hintermannschaft wir nichts wissen (hat er womöglich alle Instrumente selbst eingespielt?), geriert sich wie ein Underdog, der wie die Meisten von uns im alltäglichen Lebensk(r)ampf zu bestehen sucht, und begeht dabei eben nicht den Fehler, verhältnismäßige Kleinigkeiten dramatisch aufzubauschen.
Stattdessen erweist sich "Stadion" sozusagen als vertonte leichte Schulter: Sei es 'Hängen mit den Jungs' (oder Mädels, die "Grilli" da im Chor anfeuern wie Cheerleader), das ausnahmsweise melancholische 'Pleite gehen' oder die Hymne 'Stellung halten' als wohl kommerziellste Nummer der Platte - das Material stellt einen klaglosen Gegenentwurf zur verkopften Innerlichkeit der benachbarten Hamburger Schule dar.
FAZIT: Unkomplizierter, aber subtil facettenreicher Pop Rock mit deutschen Texten war in letzter Zeit selten niveauvoller als bei Grillmaster Flash, dessen "Stadion"-Stücke man nun zumindest in einem kleinen Club performt hören möchte. <img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/5acc4f61ea8f41f195046ad8b6788d4d" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 05.12.2018
Grand Hotel Van Cleef
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09.11.2018