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Hyrgal: Serpentine

Stil: Post Black Metal

Cover: Hyrgal: Serpentine

Dieses Debüt hatte eine Vorlaufzeit von über zehn Jahren, bevor Frontmann Clément Flandrois Svart Crown den Rücken kehrte, um sich HYRGAL konzentriert zu widmen. Anscheinend ist er dabei in der Entwicklung des Black Metal seiner Heimat stehengeblieben, denn auf „Serpentine“ herrscht akuter Spätneunziger-Alarm.

Den Franzosen gelingt mit muttersprachlichen Texten, viel Hall auf den Gitarren und ein paar Dissonanzen an genau den richtigen Stellen, um keinen Verdacht von nostalgischem Schönklang zu erregen, ein orchestrales Klangbild, das an die Anfänge von Deathspell Omega und Blut aus Nord denken lässt. Das ist umso beachtenswerter, als sich HYRGAL als klassisches Trio aufgestellt haben, denn "Serpentine" ballert im Rahmen der obligatorischen Klangästhetik des Genres, in dem sich die Mitglieder tummeln, nichts weniger als amtlich.

Ein klagender Unterton klammert alle Stücke, doch das Ganze wirkt eher trotzig als melancholisch, weshalb Post-Beamte beim Hören enttäuscht sein dürften. Diese Art der Orthodoxie ohne Satan und den Antikosmos lässt man sich auch deshalb gefallen, weil die Band dynamische Songs schreiben kann.

Man möchte meinen, das rührige Label Les Acteurs de l'Ombre erlege den Künstlern in seinem Programm auf, ihre Musik in einen konzeptionellen Rahmen zu zwängen, denn "Serpentine" ist wie mehrere andere Veröffentlichungen des Underground-Unternehmens in jüngerer Zeit wie eine zusammenhängende Suite aufgebaut, wobei 'L'Appel' als längeres Intro fungiert und 'Etrusca disciplina' als ausschweifendes Epos einen stimmig dramatischen Schlusspunkt setzt.

Zwischendrin gibt es hinreichend Altbekanntes und die eine oder andere verhältnismäßige Überraschung zu hören, weshalb sich HYRGAL Freunden des frankophonen Black Metal neueren Datums ohne Vorbehalte empfehlen darf.

FAZIT: Zwischen Konvention und verhaltenen Neuerungen machen HYRGAL auch über die französische Szene hinaus als fortschrittliche Black Metal Band mit bodenständigem Selbstverständnis eine gute Figur. "Serpentine" zeugt von sorgfältigem Songwriting, einer klaren Vision und jener Reife, welche die Macher auch wirklich mitbringen. <img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/82727627b7af45d3a407a2d66b4e9f9f" width="1" height="1" alt="">

Punkte: 11/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 05.07.2018

Tracklist

  1. I - L'Appel
  2. II - Mouroir
  3. III - Till
  4. IV - Représailles
  5. V - Aux diktats de l'instinct
  6. VI - Rite
  7. VII - Etrusca disciplina

Besetzung

Sonstiges

  • Label

    Les Acteurs de l'Ombre

  • Spieldauer

    36:29

  • Erscheinungsdatum

    29.06.2018

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