Post Punk wie aus den 1980ern mit deutschen Texten der gewollt intellektuellen Sorte ist neuerdings das Metier einiger junger Bands, und NUAGE & DAS BASSORCHESTER gehören spätestens seit „Ästhetisch. Sympathisch. Kaputt.“ (2016) dazu. Der Nachfolger ihres Debütalbums weist keine merkliche stilistische Weiterentwicklung auf, doch das Trio traut sich in kompositorischer Hinsicht deutlich mehr als andere Vertreter derselben Zunft.
Vieles auf "Es lohnt" wirkt improvisiert und kommt aufgrund der eher suboptimalen Produktion leider nicht ideal zur Geltung. Das wird bereits in der getragenen Einleitung 'Wieder was anderes' offenbar und äußert sich im weiteren Verlauf in zahlreichen Gesangsparts, die schief klingen, als handle es sich um "first takes", bei denen man sich keine Mühe gemacht habe, das Ganze noch einmal korrekt aufzunehmen. Andererseits scheinen NUAGE & DAS BASSORCHESTER das Kaputte ja generell gern zu haben, wie der Titel der letzten Scheibe andeutete.
Sei's drum, der dumpfe Sound ist das Hauptmanko von "Es lohnt" und lässt an ein Konzert denken, als habe jemand die Band aus dem Publikum heraus mitgeschnitten. Die Stücke gestalten sich generell erwartbar repetitiv und dissonant ('Unter Strom'), doch die nur eine Minute von 'Und Abgang mutet sogar wie ein früher Pink-Floyd-Outtake an.
Hat man sich an die Klangkulisse und eine bisweilen roboterhafte Stimme (Schlagzeuger Phillip Langenbach fungiert auch als Lead-Sänger) gewöhnt, kann man der Platte als Fan des Genres allerdings einiges abgewinnen, wobei man bei den treibenden Tracks 'Sucht I' und 'Es lohnt' beginnen sollte. Ausgerechnet das furchtbar kaputt (jawohl) klingende Bass-Gebrummel von 'Sitzverbot' das Highlight der Scheibe.
FAZIT: Verhallte Post-Punk-Gitarren, ein unheilvolles Post-Punk-Gesamtbild, post-punkig verquaste Texte, fast wie aus der Hamburger Schule … zieht einen beschissenen Sound ab und ihr wisst Bescheid - file under Die Nerven, Karies, Messer.
Punkte: 9/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 24.10.2018
TCM
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28.09.2018