Feiert der schwedisch inspirierte melodische Death Metal aktuell ein kleines Revival, oder handelt es sich bei seinen Interpreten um Betonköpfe, die gar nicht anders können, als die vermeintlich alte Chose immer wieder neu aufzukochen? Wer sich mit der Beantwortung dieser Frage nicht aufhalten möchte, sondern stattdessen dem zweiten NYKTOPHOBIA-Album Gehör schenkt, der wird nicht um die Erkenntnis umhin kommen, dass es anno 2018 in Deutschland eine ganze Reihe von Bands gibt, die in dem seit langem totgesagten Genre ziemlich rasant herumwirbeln – und sich einen Teufel um etwaige Trends scheren.
Diese Unbekümmertheit ist der größte Pluspunkt von "Fate Of Atlantis", dessen vierter Titel "Taken By Storm" nicht nur das – phantastische – Cover Artwork zu spiegeln scheint, sondern im Grunde auch die mitunter stürmische Musik des Quintetts treffend umreißt. Das Instrumental "Riders Of The Surging Billows" wartet mit tollen Iron-Maiden-Melodien auf und erinnert an die Gründertage des Genres, als sich zahlreiche schwedische Bands explizit zu den Briten als maßgeblichem Einfluss bekannten.
"Fate Of Atlantis" umgibt auf ganzer Länge etwas Triumphales, das nicht aufgesetzt oder gezwungen wirkt, sondern eher wie locker aus der Hüfte geschossen klingt. Ob diese Stimmung einem Konzeptalbum geschuldet ist, entzieht sich meiner Kenntnis, doch Album- und Songtitel deuten wohl darauf hin. Wem es beim abschließenden "Realms Of Hades" nicht wenigstens im Nacken zuckt, der ist definitiv nicht im Melo Death daheim.
Die Produktion lässt für eine Eigenveröffentlichung wenig Wünsche offen: Die Melodieführung der Gitarrenfraktion erklingt vor der druckvollen Rhythmusfraktion harmonisch, einzig beim Gesang könnte ein wenig mehr Abwechslung kaum schaden.
FAZIT: Auch wenn mir Sänger Tomasz bereits erklärt hat, warum er für NYKTOPHOBIA auf die Vorzüge seines eigenen (!) Labels Apostasy verzichtet, möchte ich seine Argumentation nicht verstehen, denn auch "Fate Of Atlantis" dürfte den allermeisten, die sich über das jüngste Album der Night in Gales gefreut haben, mehr als nur gefallen. Zwar ist nicht zu bestreiten, dass dieses Album prinzipiell bereits vor 20 Jahren hätte erscheinen können, doch es ist ebenso wenig zu leugnen, dass es leidenschaftlich dargebotenen Melodic Death Metal mit dem nötigen Wumms enthält.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 27.10.2018
Ben Bays
Tomasz Wisniewski, Phillip Reuter
Michael Tybussek, Phillip Reuter
Christian Timmer
Eigenveröffentlichung
33:30
28.09.2018