Vor fast genau einem Jahr haben wir uns noch ausführlich mit dem elektrischen Familien-Oberhaupt <a href="http://musikreviews.de/interviews/17-06-2017/The-Electric-Family/" rel="nofollow">TOM „THE PERC“ REDECKER im Interview</a>, besonders über das neuste Album „Terra Circus“, unterhalten und ausgiebig auch über das spannende, namhafte Musiker-Familien-Karussell ausgelassen, da flattert uns schon das nächste Album von THE ELECTRIC FAMILY ins Haus.
„The Long March … From Bremen To Betancuria“ ist eine Zusammenstellung der besten Stücke – aus denen besonders die drei abwechslungsreichen Longtracks mit jeweils über 10 Minuten Laufzeit herausstechen – geworden, für deren Veröffentlichung es tatsächlich allerhöchste Zeit wurde. Immerhin sind bereits 22 Jahre seit der THE ELECTRIC FAMILY-Gründung vergangen. Doch wenn man dieses vom Cover des 12seitigen Booklets (Mit der akribischen Auflistung aller beteiligten Musiker!) her verdächtig an die Chinesen und ihre Mauer erinnerndes Album hört, scheint die Zeit tatsächlich inmitten eines kunterbunten Kräutergartens aus Prog, Space und Psyche stehen geblieben zu sein.
Der Elfminuter <a href="https://www.youtube.com/watch?v=6aG2pxAjd9s" rel="nofollow">„Landmark Visions“</a> eröffnet diese Zusammenstellung, die natürlich keine „Best Of“ ist, denn für Hits die im Radio per Endlosschleife laufen, sind THE ELECTRIC FAMILY völlig ungeeignet, viel zu verspielt und viel zu gut. Egal, ob auf „Welcome To The Family Show“ (1997), „Tender“ (1999), „Pueblo Woman“ (2000), „Ice Cream Phoenix“ (2003) oder „Royal Hunt“ (2006), dem modernen Zeitgeschmack haben sich THE ELECTRIC FAMILY nie angebiedert – und hatten es bei den hochkarätigen Musikern in ihren Reihen auch niemals nötig!
Oftmals werden bei Redeckers Gesang angenehme Erinnerungen an NICK CAVE wach und auf „Solid Structure“ gibt‘s sogar ein an Caves Mörderballaden erinnerndes Duett mit ULLA MEINECKE, die sicher jeder aufgrund ihrer charismatischen (Liedermacherinnen-)Stimme sofort erkennt, zu hören. Ein finsteres, sehr emotionales Meisterstück, das zum Ende hin sogar floydianische Züge annimmt.
Ganz anders sieht es bei <a href="https://www.youtube.com/watch?v=5qEiwWOGczg" rel="nofollow">„Betancuria“</a> aus, in dem sich progressiv-psychedelischer Rock und elektronische Musik miteinander vereint, um im letzten Teil wieder mit Duett-Gesang, diesmal mit Sängerin EVELYN GRAMEL, zu enden. Auch hier gilt – ein kleines, sehr komplexes Meisterwerk.
<a href="https://www.youtube.com/watch?v=AgbbNUVTEPg" rel="nofollow">„Ariel‘s Hyperdrive“</a> darf mit stampfenden Beat-Rhythmen, die in ihrer einem Bolero ähnlichen Steigerung einen unglaublichen Drive entwickeln, auf sich aufmerksam machen. Großartige Stereo-Effekte inklusive!
FAZIT: Jedes einzelne Stück dieser Zusammenstellung wäre es wert, gesondert erwähnt zu werden, doch das kann man sich getrost sparen, denn „The Long March … From Bremen To Betancuria“ von THE ELECTRIC FAMILY ist durchgängig ein Genuss – in all seinem vielfältigen Abwechslungsreichtum und dem ausgezeichneten musikalischen Können aller Musiker, die den kompositorischen Ideen und abgefahrenen Texten ihres väterlichen Oberhaupts TOM „THE PERC“ REDECKER anerkennend folgen.
Punkte: 13/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 20.06.2018
Sireena Records/Broken Silence
78:00
02.03.2018