Klara Force, Ida Evileye und Nicki Wicked, bekanntlich die Triebfedern hinter den inzwischen aufgelösten Crucified Barbara, haben sich mit Jonas Tor Kangur (u.a. Deathstars) und der Sängerin Pepper Potemkin (Blackbird Burlesque Cabaret, Catastrophe Orchestra) zu THE HEARD zusammengetan, die mit "The Island" nach der Standalone-Single "White Lightning" ein im Verhältnis zu ihrem bisherigen Werdegang erstaunlich anderes Debütalbum vorlegen.
Das Quintett verarbeitet Einflüsse aus symphonischem Hardrock, Bombast-Metal und richtig klassischem Prog zu etwas relativ Eigenem, das cineastische bis theatralische Züge trägt und dennoch nicht überladen oder emotional distanziert klingt. "The Island" kommt gleichwohl mit einem subtilen Augenzwinkern daher, das vermutlich der Frontfrau (immerhin mit dem Beinamen "The Pearl of Rock 'n' Roll Decadence" bedacht) geschuldet ist, da sich Pepper in der Retro-Vaudeville-Szene herumtreibt. Dadurch lässt sich etwa auch erklären, dass das Bandcamp-Artwork der Auskopplung 'A Death Supreme' (düster mit hymnischem bis aufbegehrenden Refrain) frech bei John Coltranes Meisterwerk "A Love Supreme" abgekupfert wurde
In jedem Fall weist ihr Vortrag mitunter laszive Züge aus, die dem tendenziell düsteren Material von THE HEARD gut stehen. Das orchestrale 'Sirens' steht mit seinen Chorpassagen stellvertretend für die epischen Tendenzen der Formation, die sich in diesem Zusammenhang oft in kleinen Details verliert. Selbst das auf einem geradlinigen Riff basierende 'Tower of Silence' schlingert auf mehr Umwegen durch die Lauschlappen als jene Standard-Rock- und Industrial-Dance-Nummern, die man von den anderen Kapellen der Beteiligten her kennt.
Davon abgesehen jedoch, dass es sich bei "The Island" um ein originelles Konzeptalbum über die Bewohner einer mehr oder weniger fiktiven Ostseeinsel mit übersinnlicher Thematik handelt - erstaunlich dabei, wie geerdet THE HEARD trotzdem auftreten - plätschern einige Kompositionen letzten Endes zu dominant vor sich hin, so liebevoll sie auch in Szene gesetzt wurden.
FAZIT: THE HEARD sollten am Ball bleiben, denn ihr Stilmix birgt Potenzial für mehr als teils mit zu vielen Parts überladene, in ein konzeptionelles Korsett gezwängte Lieder. Gut vorstellbar, dass sich daraus einmal so etwas wie Gothic Prog entwickelt, bloß müssen dann jene Hooks hinzukommen, die den Damen und Herren aus ihren früheren Combos durchaus bekannt sein dürften …
Punkte: 9/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 29.12.2018
Despotz
52:24
07.12.2018