Neujahr, grauer Himmel, der Schneematsch ist von aufgeweichten Böllern kotzrot eingefärbt. Unter den Schuhen knirschen Kiesel und zwischen den kalten Ohren gären Restalkohol und Hoffnungslosigkeit...
So in etwa darf man sich den Charme dieser Mini-LP vorstellen. Nachdem ihr die Lust an Shoegaze-Eskapismus anscheinend vergangen ist, beackert die Band aus den Niederlanden auf "Envy" steinigen Boden mit einem rostigen Pflug aus Post-Punk und Noise-Rock.
Ein abwechslungsreiches Seelen-Sightseeing sucht man hier vergebens: Sechsmal exerzieren sich THE LUMES durch schwappende Dynamik, apathische Dünnhäutigkeitsoden, Maxime Prins kraftlos-verzweifelt-wütendes Deklamieren ("I'm about to give in..."), und immer wieder schreiende Exorzismen in Krach-Moll, gewürzt mit reichlich Störgeräusch.
Klingt anstrengend, ist es mitunter auch. Die Tatsache aber, dass "Envy" einiges an sehr cooler Gitarrenarbeit zu bieten hat ("Compulsion") und zwar manchmal recht vollmundig formuliert ist, aber keineswegs nach geschminkten Augenringen und aufgemalten Narben klingt, sondern mit roher, rauer Natürlichkeit in seinen Bann zieht, macht es die "Mühe" allemal wert, sich dem auszusetzen.
Besonders gelobt sein will "Who makes me try?". Hier hat man es als Finale mit einer feinen Hymne für die Fortgeworfenen zu tun: Anstatt den Song gänzlich den destruktiv schrammelnden Gitarren-Geiern zu überlassen, bekommt man zusätzlich eine ungemein packende, PIXIES-hafte Hook vor die Nase geschluchzt.
FAZIT: THE LUMES haben mit "Envy" ein griesgraues Album am Start, auf dem nicht jeder Moment absolut zwingend ist, das aber als Ganzes keinerlei Schwierigkeiten hat, positiv in Erinnerung zu bleiben.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 04.01.2018
Lennard van der Voort
Maxime Prins
Maxime Prins
Mitchell Quitz
Crazysane Records
21:48
06.10.2017