Über Rap Metal herzuziehen ist fast so <i>whack</i> wie Rap M- ...oh. Nein, man hat es nicht wirklich leicht mit diesem Album der Londoner Band, die sich laut eigener Aussage einer <i>eclectic combination of crushing guitars and infectious electronica</i> verschrieben hat.
In puncto „crushing guitars“ wird man v.a. in der ersten Albumhälfte durchaus nicht unbedient gelassen: Deathcorige Gewalt und Rasanz wird um coole Melodieaspekte früher KORN oder DEFTONES erweitert – siehe „Dreamcatcher“, „Disengage“ oder „Darkmatters“. Auch bei der Verwendung von (Pseudo-) Old School-Rap-Einlagen stand die Truppe um den Herrn im Adidas-Trainingsanzug sichtlich Pate – nur hatte die im Zweifelsfall ICE CUBE. Den haben THE ONE HUNDRED nicht, ebensowenig ein Gefühl dafür, wann es zuviel des zu Guten, zu prätentiös, zu peinlich wird: Mit diesem so ungestümen wie ungelenken Sprechgesang Marke cholerischer Hamster füllt die Band viel zuviele Minuten auf „Chaos + Bliss“ – ein zweites „Spit It Out“ kommt trotz aller Bemühung nicht heraus.
Eines fehlt noch: Richtig, klebrige Klargesang-Hooks! Die häufen sich in der zweiten Albumhälfte, nehmen dem vielversprechenden „Hand of Science“ jeden Wind aus den Segeln, machen „Black Jack“ oder den Titeltrack zu schmierigen Kotzbrocken, die man sich lieber nicht zu genau anhört. Was im Übrigen auch für die fies digitale Produktion gilt.
FAZIT: „Chaos + Bliss“ nimmt man am besten auf die leichte Schulter, als Hintergrundmusik für (Trink-) Sport, oder als musikalisches Meme. Dass die Band durchaus Potential hat und ein paar ordentliche Knallkörper liefert, geht in ihrer Verranntheit, in der sie den Hörer wahllos mit hanebüchenen Stilelementen bombardiert, leider unter.
Punkte: 8/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 23.01.2018
Jacob Field; Tim Hider; Phil Kneller; Joe Balchin
Spinefarm
42:32
02.06.2017