Vielleicht sind THE RE-STONED auf ihrem neuen Album so heavy wie nie zuvor, wobei aber niemand unter den Kennern der Gruppe zu befürchten braucht, sie würde mangelnden Einfallsreichtung mit Härte kaschieren oder auf jene liebevollen Details verzichten, die ihre Musik von jeher so außergewöhnlich macht - auch und gerade im überlaufenen Psych-Prog-Bereich.
Dorthin gehörten die Russen nämlich nach wie vor und redne weiterhin mindestens ein Wörtchen mit, wenn es um die Fortentwicklung bzw. Lebendigerhaltung des Genres geht. THE RE-STONED überraschen gleich zu Beginn mit ganz klassischem Doom. 'The sirens of titan', das mit seiner zurückgelehnten Melodie außerordentlich eingängig ist, stellt gleich wie gewohnt Gitarrist Ilyas Künste zur Schau, ohne dass der Rest nur Makulatur wäre, und auch im nachfolgenden, erstaunlich lässigen 'Human without body' (mit bisher von der Band ungehörter Slide-Gitarre) ist sein Spiel der Dreh- und Angelpunkt.
Auch ein Novum: verspielte Akustiksounds wie im mit etwas über fünf Minuten kürzesten Stück des Albums, 'Save me under the emerald grass'. Es ist zugleich der schwebende Höhepunkt auf 'Chronoclasm' und bringt die reichhaltige Effekte-Palette der Band hervorragend zur Geltung. Zugleich wird man damit auf das überfette 'Psychedelic soya barbeque' vorbereitet, das seinem Namen alle Ehre macht und sich kurz als Stoner-Stampfer umschreiben lässt, übrigens wieder mit sehr bluesigem Slide-Spiel versehen.
'Oc44' - Gitarrenkenner wissen, hier geht es um Germanium-Transistoren von Röhrenverstärkern - verbindet schließlich akustische mit verzerrten Klängen zu einem lyrischen Ausnahme-Track, der mit etwas unter neun Minuten genauso lang ist wie das nachfolgende Titelstück, in dem THE RE-STONED indes beweisen, dass Stoizismus bzw. Minimalismus stimmungsmäßig maximal ausgereizt werden können, wenn man weiß, wie man mit Variationen und Dynamik zu arbeiten hat.
Die CD-Version enthält dann noch den Bonus 'Quartz crystals', mit dem die Band den hypnotischen Tracks von MY SLEEPING KARMA Konkurrenz zu machen scheint. Das perkussiv zarte, ebenfalls neunminütige Stück ist in jedem Fall ein hervorragender Abschluss einer einmal mehr zwingenden Veröffentlichung dieser beispiellosen Band.
FAZIT: THE RE-STONED in Bewährter Form mit ein paar neuen Farbtupfern, aufgenommen 2015 und 2016, die sich klasse in den etablierten Sound der Formation einfügen. Darüber hinaus sind und bleiben die Russen eine der besten und beständigsten Bands im Vintage-Instrumental-Bereich. <img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/8239d2d24baa430d93f8cb41cf6db5de" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 13/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 20.01.2018
Oak Island
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12.01.2018