FAZIT: Faktisch sind THE WIDE die DEAD GUITARS ohne den charismatischen Sänger Carlo von Putten. Da man sich alles andere als gram ist, gibt es auch keinen Grund, die musikalische Richtung zu ändern. Wer sich bei den DEAD GUITARS wohlfühlte, wird auch mit THE WIDE und ihrem breitwandigen „Paramount“ glücklich werden.
Pete Brough etwas zögerlicher und sanfter Gesang passt gut zur wolkenverhangenen Musik, besonders, wenn er sachte auf David Bowies Spuren wandelt („You,“). Die Lyrics leben von ihrem repetitiven Charakter, der mitunter etwas zu sehr übertrieben wird („How Does It Feel To Feel“ – vielmals während “So You In Love“), auch wenn die Musik die sich wiederholenden Phrasen sanft und trotzdem druckvoll umschmeichelt. Eile und Hektik sind „Paramount“ fremd, hier bekommen Musik und Texte viel Raum zum Atmen, zwischen Psychedelica und treibendem New Wave entwickelt sich so eine Art hypnotischer Dream-Pop, auf den man sich einlassen muss, dann wird man davongetragen. Eilige weiße Hasen mit laufender Taschenuhr könnten ungeduldig werden und mit den nervösen Füßen heftig gegen die Tür von Alice’s Haus treten.
Dabei zieht das Tempo durchaus an („Girl“, „Fearkilling Love“), doch die Härte bleibt moderat, verhangene Traurigkeit und schwelgerisches Dahingleiten sind immer präsent und sorgen für einen gepflegten Nachtschattenmodus. Dabei wirkt das vollmundige Klangspektrum nie überladen und ausgereizt bis zum Bersten, die Fragilität des gesamten Konstrukts bleibt meist erhalten.
Hier treffen die gemeinsamen Erfahrungen aus Zeiten mit den TWELVE DRUMMERS DRUMMING und den DEAD GUITARS zusammen, ergänzt um ein Schlenker Richtung David Bowie und ein bisschen fernöstliche Meditation mit den BEATLES („Fall For Your Love“, „So In Love“, mit gesampeltem String- und Bläser-Arrangement). „Stars“ besitzt ein wenig verschlafenes James Bond-Flair, „Paramount“ geleitet seine Hörer*innen über neun Minuten glücklich aber erschöpft zum Horizont und darüber hinaus. Zum Dahinsterben schön, quasi eine musikalische Übung in Shoegaze-Zen.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 02.12.2018
Kurt Schmidt
Pete Brough, Kurt Schmidt, Hermann Eugster, Crystin Fawn
Ralf Aussem, Pete Brough
Hermann Eugster
Ralf Aussem (programming), H.G. Haasi Haas (pedeal steel)
Echozone/Soulfood
61:08
26.10.2018