Das sechste Album der betriebsamen TUSMØRKE heißt auf Deutsch übersetzt „Farbfernsehen“ und beschäftigt sich mit den physikalisch-philosophischen Relationen von Licht, Zeit und wahrgenommener Wirklichkeit. Heady stuff, sagt der Brite und erkennt wieder einmal zahlreiche Verweise auf den Kunstrock, der in seiner Heimat während der 1970er Musikgeschichte schrieb, im Material der Norweger.
Deren Stil bleibt gleich, aber großartig verbiegen bzw. weiterentwickeln müssen sie sich auch gar nicht, denn sie sind schlichtweg unverkennbar: Bassist Benediktators Märchenonkel-Stimme, allerlei kuriose Klangerzeuger mit Tasten und ein unterschwelliger Space Rock-Puls, der auf „Fjernsyn I Farver“ präsenter denn je erscheint. Zugleich hat sich mit der Zeit eine Art des Komponierens bei TUSMØRKE eingebürgert, die sich an Einsetzbarkeit für die Bühne orientiert. Will heißen: Das aktuelle Material stellt sich trotz nicht unerheblicher Songlängen als verblüffend eingängig heraus, besonders ‚ 3001‘ als bisher konsequenteste Anspielung des Quartetts auf prototypischen Heavy Metal, also das Soundambiente der frühen Black Sabbath mitsamt Gitarren- und Bass-Übersteuerung.
Überhaupt reiten die Nordmänner momentan so oft wie nie zuvor auf der altbewährten Pentatonik herum, und das steht ihnen neben der hinzugewonnenen Härte hervorragend. Gar nicht so heady also …
FAZIT: TUSMØRKE am Zenit ihres schöpferischen Treibens? Gut möglich. In jedem Fall könnte „Fjernsyn I Farver“ der Gruppe neue Türen öffnen, denn so fest in sich geschlossen und in positivem Sinn überschaubar mutete noch kein Album der längst geschichtsträchtigen Norweger an. Prog-Königsklasse ist das hier, nicht mehr und nicht weniger. <img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/3340b35f252243c580ff0d12baab9a6b" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 13/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 01.05.2018
Karisma
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04.05.2018