Sie lebt in Woodstock – ist aber keine Rockerin, auch wenn wir gerade bis zum Erbrechen das 50-jährige Gedenken an dieses über den grünen Klee gelobte und in Schlammschlachten endende Festival durchnudeln. AMY HELM jedenfalls können wir diesbezüglich nicht als geburtstägliches Referenzprodukt anbieten. Denn die Musikerin mit der sanften Stimme bewegt sich souverän zwischen Americana, Country, Blues und Gospel – und mit „Mandolin Wind“ covert sie auf ihrem Album „This Too Shall Light“ auch noch einen der besten ROD STEWART-Songs!
AMY HELM liebt die Harmonien, das wird einem bereits beim Einstieg in das Album mit dem Titeltrack <a href="https://www.youtube.com/watch?v=S5eLNY_IdSg" target="_blank" rel="nofollow">„This Too Shall Light“</a> klar und setzt sie bis zum letzten Song „Gloryland“, einem echten Gospel-Traditional, fort.
Doch nicht nur die wunderschöne Stimme, besonders auch das berauschende Gitarrespiel von DOYLE BRAMHALL II – vielen Musikfreunden sicher kein Unbekannter – verleiht dem Album einen schönen, oft verträumten Charakter, während Orgel und Piano für ein manchmal barjazziges, dann wieder 60er/70er-Jahre-Flair sorgt. Und mit der Ballade „Heaven‘s Holding Me“ übertrifft sich AMY HELM dann auch noch in punkto tief bewegender Herzschmerz – ohne plattes oder kitschiges Kuschel-Kino.
Auch ist nicht zu überhören, dass an dieses Album, welches man sich unbedingt als die farbige, rot-marmorierte Vinyl-Variante samt einem DL-Code zulegen sollte, ein ganz großer als Produzent Hand angelegt hat: der Grammy-Gewinner und Songwriter JOE HENRY, der auch gleich den ungewöhnlichsten, weil experimentellsten Song „Odetta“ für die LP beisteuerte.
Allgemein lebt das zweite Album von AMY HELM von Fremdkompositionen, wovon die überraschendste wohl „Michigan“ der <a href="http://www.musikreviews.de/reviews/2018/The-Milk-Carton-Kids/All-The-Things-That-I-Did-And-All-The-Things-That-I-Didnt-Do/" target="_blank" rel="nofollow">MILK CARTON KIDS</a> ist. Aber auch ALLEN TOUISSAINTs Forderung nach der Freiheit für den Hengst finden wir genauso auf „This Too Shall Light“ wie „Die Steine, die wir werfen“ von ROBBY ROBERTSON oder den „Fluss der Liebe“ von JOSEPH HENRY BURNETT III.
Wer bei dem Familiennamen Helm nach einer musikalischen Verbindung sucht, wird schnell bei <a href="https://www.youtube.com/watch?v=3FfAbFS4YOc" target="_blank" rel="nofollow">dem legendären, 2012 verstorbenen Schlagzeuger LEVON HELM</a> fündig – ihrem Vater, in dessen MIDNIGHT RAMBLE BAND Amy bereits im Background sang. Woher Amy ihre musikalische Prägung erhalten hat, ist damit ebenfalls klar – und „This Too Shall Light“ kann man zugleich als den gelungenen Versuch bezeichnen, in die musikalischen Fußstapfen ihres Vaters zu treten und sein Gedenken fortzusetzen. Aus diesem Grunde stellt sie in zwei Songs einen direkten Bezug zu ihrem Vater her: „The Stones I Throw“ veröffentlichte ihr Vater 1965 mit LEVON AND THE HAWKS und der die LP abschließende A-Cappella-Gospel stammt aus dem Gesangsbuch, das ihr Vater an sie weitergab.
So verbirgt sich hinter jedem Song des Albums eine bewegende Geschichte – Zeit diese endlich auch zu hören.
FAZIT: AMY HELM, die Tochter von LEVON HELM und zugleich begnadete Sängerin und Musikerin, präsentiert mit „This Too Shall Light“ ein sehr persönliches Album, das zwischen Americana, Country, Blues und Gospel das musikalische Erbe auch ihres Vaters fortsetzt. Bewegend und beeindruckend und etwas zum Runterkommen für die alltäglich gebeutelte Seele.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 08.08.2019
Jennifer Condos
Amy Helm
Doyle Bramhall II
Tyler Chester
Jay Bellerose
Amy Helm (Mandoline)
Yep Roc Records / H‘Art
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21.09.2018