Pünktlich zu der Zeit, da sich die Veröffentlichung ihres Debüts "Kamikaze" zum zehnten Mal jährt, veröffentlichen ASOMVEL ein drittes Album, auf dem die neue Besetzung mit Frontmann Ralph Robinson endgültig gefestigt wirkt. Der Neffe des 2010 tödlich verunglückten Bassisten und Sängers Jay Jay tat sich auf "Knuckle Duster", dem zweiten Anlauf der Band vor sechs Jahren, noch ein wenig schwer mit der Eingliederung, ist aber mittlerweile ein unverzichtbarer Teil des Trios und prägt die neuen Songs maßgeblich mit.
Das unverwüstliche Familienunternehmen um den musikalischen Leiter und Gitarristen Lenny Robinson, Jays anderen Neffen, hat "World Shaker" genauso wie den Vorgänger dem Verstorbenen gewidmet, zieht aber nicht bloß eine rührselige Pathos-Masche ab; vielmehr ist die Scheibe insofern als Tribut anzusehen, als sie den Schmutz und die Arschleck-Attitüde, die der Einstand seinerzeit zum Ausdruck brachte, in besonnene, besser geordnete Bahnen lenkt. Einfach gesagt bedeutet das: ASOMVEL poltern nicht mehr völlig unbekümmert drauflos, sondern verbreiten ihre Mischung aus Motörhead und NWOBHM nun mit kühlerem Kopf, nicht zu vergessen einem raffinierteren Sound, für dessen Feinabstimmung (Mastering) In-Produzent Jaime Gomez Arellano verantwortlich zeichnete.
Dadurch schlagen die Musiker im vollen Umfang Kapital aus ihrer gesammelten Erfahrung. "World Shaker" klingt abgeklärt und hungrig zugleich, ohne dass sich die Combo verbiegen müsste, um irgendwie originell zu sein. Genau dann, wenn einem das straighte Gerödel zu gleichförmig zu werden droht, haut der bestens aufeinander eingespielte Haufen ein cooles Break oder eine Gitarrenmelodie heraus, zu der die Matte buchstäblich im Fahrtwind flattert, während man Geschwindigkeitsbegrenzungen auf der Landstraße missachtet.
Dass Ralph bei aller Ähnlichkeit zu Lemmy nicht annähernd so viel Charisma besitzt wie der selige Meister, ist der einzige Schönheitsfehler dieser ziemlich ungeschönten Hommage.
FAZIT: "World Shaker" sollten sich alle auf den Einkaufszettel schreiben, die die Motörköpfe und im übrigen auch Chris Blacks Superchrist vermissen. <img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/7beba88493994d62b292639f46db513e" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 02.05.2019
Heavy Psych / Cargo
35:55
03.05.2019