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Dickey Betts & Great Southern: Live At Rockpalast 1978 And 2008

Stil: Blues, Rock, Folk

Cover: Dickey Betts & Great Southern: Live At Rockpalast 1978 And 2008

Mit dieser opulenten Hardcover-Box in CD-Größe hat MIG Music sich im Rahmen der „Rockpalast“-Reihe einen echten Meilenstein gesetzt. Nicht nur weil unmittelbar nach MOTHER FINEST im Rahmen der zweiten Rocknacht das Gründungsmitglied der ALLMAN BROTHERS BAND, DICKEY BETTS, die Bühne enterte, sondern weil diese vorbildliche Veröffentlichung erstmals auch alle (Wirklich alle!) Aufnahmen von den beiden DICKEY BETTS-Rockpalast-Auftritten mit einem Zeitabstand von 30 Jahren (1978 in Essen und 2008 in Bonn) auf zwei DVD‘s und 3 CD‘s präsentiert. Und wie bei diesen Rockpalast-Veröffentlichungen gewohnt, sind die Ton- (DVD 1 – PCM Stereo / DVD 2 – Dolby Digital 2.0) und Bildqualität (4:3) sehr gut.

Und dann gibt es noch diesen 17 Minuten langen Bonus, der wohl auch allen SPIRIT-Freunden einen Schauer über den Rücken jagen wird, bei dem der damals 35-jährige Dickey Betts als SPIRIT-Gast im Rockpalast auftritt und sich die Band plus Gast eine ungeheuerliche Gitarren-Schlacht liefert. Dieser Bonus allein ist in seiner klangvollen Schönheit und der schweren JIMI HENDRIX-Aura, die der Musik innewohnt, ein wahrer Paukenschlag, der diese Box mit zu den besten Musikmitschnitten aller Rockpalast-Aufzeichnungen werden lässt: „Dickey Betts war spät in der Nacht auf die Bühne zurückgekehrt, um mit der Band SPIRIT zu jammen.“ (Peter Rüchel)

Als (tod)traurige Beigabe enthält die Box noch ein achtseitiges Booklet, in dem PETER RÜCHEL, der „Macher des Rockpalasts“, die Linernotes verfasste und seine Begeisterung über die beiden Betts-Konzerte zum Ausdruck bringt: „Dickey Betts And Great Southern waren die wichtigsten und ersten Vertreter des Südstaaten-Rock. Die Spielfreude reichte noch über das Konzert hinaus. Dickey Betts hätte auch die ganze Nacht gespielt, ‚Jessica‘ brachte alle zusammen. Am Morgen nach der Rockpalast-Nacht saß er mit seiner akustischen Gitarre im Frühstücksraum und unterhielt die etwas irritiert dreinschauenden Geschäftsreisenden.“
Zwei Tage vor dem offiziellen Veröffentlichungstermin dieser Box am 22. Februar 2019 starb Peter Rüchel nach schwerer Krankheit im Alter von 81 Jahren und hinterließ so zugleich seine letzten Linernotes zum Rockpalast.

Betts Gitarre-Spiel erinnert oft an SANTANA, besonders bei dem ausgiebigen Solo in dem faszinierenden, fast 12 (1978) bzw. 20 (2008) Minuten langen Instrumentaltitel „In Memory Of Elisabeth Reed“.
Und wenn wir schon bei SANTANA sind, so kann man locker behaupten, was für die musikalischen Mannen um Carlos ihre „Samba Pa Ti“ samt der unvergesslichen Gitarren-Melodie war, ist für die Mannen um Dickey bzw. THE ALLMAN BROTHERS ihre <a href="https://www.youtube.com/watch?v=TBXFW8KcLpI" target="_blank" rel="nofollow">„Jessica“</a> mit einer ebenso unvergesslichen Gitarren-Melodie. Betts hatte den Titel für seine Tochter geschrieben und ihren Namen damit zufällig ebenfalls auf einen Schlag weltberühmt gemacht. 1995 gab‘s dann sogar noch den Grammy als „Best Rock Instrumental Performance“ dafür.
Und natürlich wohnt dem 78er-Rockpalast-Konzert von DICKEY BETTS & GREAT SOUTHERN durchgängig der folk-bluesige THE ALLMAN BROTHERS-Geist inne, der vom größtenteils jugendlichen Publikum frenetisch bejubelt wird.

Zeitblende – 30 Jahre später.
Wieder steht DICKEY BETTS auf der Rockpalast-Bühne. Diesmal in Bonn, auf dem Museumsplatz, am 19. Juli 2008. Er ist deutlich ergraut und gealtert, genauso wie sein Publikum vor der Bühne, unter dem kaum junge Leute mehr auszumachen sind.
Auch seine Great-Southern-Band ist eine gänzlich andere als 30 Jahre zuvor. Sogar <a href="http://www.musikreviews.de/reviews/2018/Duane-Betts/Sketches-of-American-Music/" target="_blank" rel="nofollow">sein Sohn Duane</a>, der wahrscheinlich bei dem 78er-Konzert noch Quark im Schaufenster war, begleitet ihn nun als Gitarrist, zusätzlich singt auch Betts‘ Keyboarder Michael Kach solistisch mit und wiederum sorgen zwei Schlagzeuger für ordentlich Druck, der sich anfangs einfach nicht auf das größtenteils still vor der Bühne stehende und nur artig nach jedem Song applaudierende Publikum überträgt, als würde es eine gemeinschaftliche musikalische Arthritis quälen. Jedenfalls hat man die erste Dreiviertelstunde den Eindruck, bis dann „Jessica“ die trägen Herrschaften vor der Bühne langsam aber sicher anfeuert und das zwanzigminütige „In Memory Of Elisabeth Reed“ samt doppeltem Schlagzeug-Solo endgültig einen Flächenbrand unter dem Bonner Publikum entfacht.

FAZIT: Zwei großartige, auf 2 DVD‘s und 3 CD‘s komplett festgehaltene Rockpalast-Konzerte vom THE ALLMAN BROTHERS-Gründungsmitglied DICKEY BETTS und seiner Band GREAT SOUTHERN, die sage und schreibe 30 Jahre auseinanderliegen (1978 in Essen und 2008 in Bonn), vereint in einer dicken Hardcover-Box. Ein echtes Highlight in der kompletten Ära der Rockplast-Veröffentlichungen, das zugleich auch die letzten Linernotes von Peter Rüchel, dem Begründer des Rockpalasts, enthält, der zwei Tage vor der offiziellen Veröffentlichung von Dickey Betts & Great Southern „Live At Rockpalast 1978 And 2008“ nach schwerer Krankheit verstarb.

Erschienen auf www.musikreviews.de am 12.03.2019

Tracklist

  1. <b>DVD 1 – Grugahalle Essen, am 4. März 1978</b> (115:00):
  2. Run Gypsy Run
  3. You Can Have Her
  4. Leavin´ Me Again
  5. Back On The Road Again
  6. In Memory Of Elisabeth Reed
  7. Good Time´ Feelin´
  8. Dealin´ With The Devil
  9. Jessica
  10. High Falls (incl. Drum Solo)
  11. Ramblin´ Man
  12. <b>Bonus:</b> If I Miss This Train / Rockpalast Jam (SPIRIT feat. Dickey Betts)
  13. <b>DVD 2 – Museumsplatz Bonn, am 19. Juli 2008</b> (100:00):
  14. Statesboro Blues
  15. Nothing You Can Do
  16. Blue Sky
  17. Get Away
  18. One Way Out
  19. Jessica
  20. Having A Good Time
  21. In Memory Of Elisabeth Reed
  22. No One To Run With
  23. Ramblin´ Man
  24. <b>CD 1 – Grugahalle Essen, am 4. März 1978</b> (58:06):
  25. Run Gypsy Run
  26. You Can Have Her
  27. Leavin´ Me Again
  28. Back On The Road Again
  29. In Memory Of Elisabeth Reed
  30. Good Time´ Feelin´
  31. Dealin´ With The Devil
  32. Jessica
  33. <b>CD 2 – Grugahalle Essen, am 4. März 1978 (Titel 1 – 3) / Museumsplatz Bonn, am 19. Juli 2008 (ab Titel 4)</b> (80:11):
  34. High Falls (incl. Drum Solo)
  35. Ramblin´ Man
  36. <b>Bonus:</b> If I Miss This Train / Rockpalast Jam (SPIRIT feat. Dickey Betts)
  37. Statesboro Blues
  38. Nothing You Can Do
  39. Blue Sky
  40. Get Away
  41. <b>CD 3 – Museumsplatz Bonn, am 19. Juli 2008</b> (59:46):
  42. One Way Out
  43. Jessica
  44. Having A Good Time
  45. In Memory Of Elisabeth Reed
  46. No One To Run With
  47. Ramblin´ Man

Besetzung

  • Bass

    David Godflies, Pedro Arevalo

  • Gesang

    Dickey Betts, Michael Kach

  • Gitarre

    Dickey Betts, Dan Toler, Duane Betts, Andy Aledort

  • Keys

    Michael Workman, Michael Kach

  • Schlagzeug

    David Toler, Dani Sharbono, Frankie Lombardi, James Vanardo

Sonstiges

  • Label

    MIG Music

  • Spieldauer

    423:03

  • Erscheinungsdatum

    22.02.2019

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