Zurück

Reviews

Dudley Taft: Simple Life

Stil: Rock

Cover: Dudley Taft: Simple Life

DUDLEY TAFTs musikalische Vergangenheit wurzelt im Post-Grunge und im Blues-Rock, gespielt hat er in Bands wie SWEET WATER, SECOND COMING oder OMNIVOID. Mit „Simple Life“ legt der Gitarrist und Sänger aus Washington nun sein siebtes Album unter eigenem Namen vor. Mit Grunge und Bluesrock scheint er allerdings nicht mehr viel am Hut zu haben.

In beinahe penetranter Art und frei von jeder Selbstironie zelebrieren Cover und Booklet von TAFTS neuem Werk das simpel-gemütliche Landleben – Wohnzimmer, Grillstelle und gut bestückte Bar inbegriffen, Gitarre und Whisky-Flasche still vereint, Frau TAFT darf auch aufs Bild. Selbst die Verstärker stehen in der guten Stube…

Nun ist gegen ein optisches Friede-Freude-Eierkuchen im Homestory-Stil grundsätzlich ja nichts einzuwenden. Wenn der weitaus maßgebendere akustische Teil des Albums aber wie der Soundtrack zu einem Beitrag in „Schöner Wohnen“ tönt, gerät der Bluesrock-Freund doch etwas ins Grübeln.

Aber zu den Fakten. „Simple Life“ beinhaltet elf neue TAFT-Songs, allesamt in den vergangenen zwei Jahren geschrieben; dazu kommt eine Coverversion von Warren Haynes‘ „If Heartaches Were Nickels“. Aufgenommen wurde in Cincinnati, das Produzieren und Mixen hat DUDLEY TAFT selber erledigt.

Bereits eine erste Hörprobe von „Simple Life“ hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. In aller Regel steigt TAFT mit knackigen Riffs (in „Simple Life“, „Never Fade“ oder „Pouring Down“, um bloß drei Beispiele zu nennen) oder zumindest dröhnenden Trommeln (im Opener „Give Me A Song“ etwa) in die Songs, erzeugt Vorfreude und Fußwippen – um dann die ganze Geschichte mit zunehmender Spieldauer mehr oder minder an die Wand zu fahren.

Im erwähnten Opener beispielsweise folgen nach den ersten Takten über vier Minuten rhythmische Einöde und Gesang in poppig-süßer Manier. „Give me a song that I can sing“ heißt‘s im Refrain – „That's your business, Mr. Taft!“ möchte man zurückrufen. Ähnliches passiert im musikalisch sehr braven „Don’t Let Them Get Away“, in dem die an sich politische Botschaft („But it turns out he’s an asshole.“) irgendwie kleben bleibt.

Die erwähnte Bearbeitung von Haynes‘ „If Heartaches Were Nickels“ hätte ein umsichtiger Produzent – so es denn einen gegeben hätte – wohl gestrichen; die Ballade offenbart die gesanglichen Limiten TAFTS gnadenlos. Ein langes und gefühlvolles Gitarren-Solo muss hier ein schwacher Trost bleiben.

Überhaupt, die Gitarre: In dieser Hinsicht finden sich auf „Simple Life“ ein paar ganz schöne Schmankerl und durchaus hörenswerte, gediegene Soli.

FAZIT: „Simple Life“ ist ein Bruch in DUDLEY TAFTS bisherigem Schaffen. Dass seine PR-Abteilung das Album als „unwiderstehlichen Mix diverser Rock-Stile“ anpreist, ist nachvollziehbar; mit etwas weniger professionell bedingtem Enthusiasmus und aus etwas größerem Abstand entwickelt man beim Hören demgegenüber eher ein letztlich ziemlich unbefriedigendes „weder Fisch noch Vogel-Gefühl“.

Punkte: 7/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 02.09.2019

Tracklist

  1. Give Me A Song
  2. Simple Life
  3. I Can’t Live Without You
  4. In Your Way
  5. Don’t Let Them Get Away
  6. Death By Bliss
  7. Bombs Away
  8. If Heartaches Were Nickels
  9. Never Fade
  10. Pouring Down
  11. Shine
  12. Back To You

Besetzung

  • Bass

    Kasey Williams

  • Gesang

    Dudley Taft

  • Gitarre

    Dudley Taft

  • Schlagzeug

    Walfredo Reyes Jr.

  • Sonstiges

    Ashley Charmae Christensen (backing vocals), Chris Ellison (drums on 1, 3), Mike Tapogna (drums on 6, 11, 12), John Kessler (bass on 8)

Sonstiges

  • Label

    American Blues Artist Group

  • Spieldauer

    47:35

  • Erscheinungsdatum

    06.09.2019

© Musikreviews.de