Angesichts der Unbeirrbarkeit, mit der GRIM REAPERs Kapitän Steve Grimmett sein Schiff auf Kurs hält, muss man die Band fast gezwungenermaßen sympathisch finden, auch wenn sie selbst zu NWOBHM-Hochzeiten kein Erstligist war. Heute ist sie es ebensowenig, doch ihr neues, erst fünftes Studioalbum versprüht einen urwüchsigen Charme, wie es wahrscheinlich nur altgediente britische Bulldoggen schaffen.
Das Quartett genügt sich in den elf Tracks auf "At the Gates" selbst und erinnert wegen der vielen enthaltenen Midtempo-Stampfer ein wenig an Accept, wobei Grimmetts kräftiges, natürliches Timbre gleichwohl angenehmer fürs Ohr ist als die Stimmen, die man im Lauf der Jahre bei den Deutschen hörte.
Ferner kommen GRIM REAPER wie gewohnt oft ein wenig melancholisch statt teutonisch aufdringlich daher. Das halb kämpferische, halb wehmutsvolle 'Venom' steht exemplarisch für diese liebgewonnene Eigenschaft, welche die Band etwa in 'Knock at the Door' auf eine hymnische Spitze treibt.
Zwischendurch könnte sie allerdings etwas häufiger wie in 'Only When I Sleep' oder 'Rush' auf die Tube drücken, denn das steht ihr nicht nur ausgezeichnet, sondern würde "At the Gates" auch noch abwechslungsreicher gestalten, selbst wenn wirklich kein einziges Stück einen schwachen Refrain aufweist.
So gesehen handelt es sich dahingehend um ein Ausnahmealbum für aktuelle Verhältnisse, weil die einzelnen Tracks ohne Ausnahme einen eigenen Charakter haben.
FAZIT: Als klassisches Britenstahl-Album bietet GRIM REAPERs "At the Gates" tatsächlich die vielzitierten "no filler", auch wenn sich letzten Endes kein echter Killer unter den Songs finden lässt. Ein äußerst würdevolles Alterswerk ist die Scheibe trotzdem. <img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/45ac8c79a9534088b9fc690fcbc714ba" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 11.09.2019
Dissonance / Soulfood
50:54
13.09.2019