Doomiges Todesblei zu gießen stellt im Vereinigten Königreich an und für sich Traditionspflege dar, wenn man sich an die Anfänge der sogenannten Peaceville Three Paradise Lost, My Dying Bride und Anathema zurückerinnert. THE DROWNING emulieren den Sound ihrer in die Jahre und vom alten Weg teilweise weit abgekommenen Landsleute auf mehr oder weniger unverfälschte Art und kriechen somit zumindest als Gewinner der Herzen Hängengebliebener über die Ziellinie.
"The Radiant Dark" ist ein nahezu hundertprozentiger Abklatsch verschiedener Vorgaben der drei Genannten in ihrer Embyronalphase und ein emotional einseitiges (tristes) Unterfangen. Vile-Inscription-Growler Matt Small grunzt seine gramvollen Lyrics gut verständlich, die Gitarristen (darunter Mike Hitchens von Silent Wake) untermalen straighte Achtel-Riffs mit wehmütigen Leads, die zu keiner Zeit so charakteristisch klingen oder eingängig sind wie etwa jene von Paradise Losts Greg, und Drummer Steve Hart kann zum Glück nicht immer zwischen zwei Snare-Schlägen Kaffee trinken gehen.
Die Band traut sich zum Glück wiederholt, das Tempo anzuziehen, wobei dann richtig schwungvolle Momente wie im eröffnenden Brocken 'The Triumph of the Wolf in Death' oder während des erfreulich kurzen 'Harrowed Path' entstehen. Wie für die Stilistik üblich gehören natürlich auch ein pathetisches Intro und einstweilige Keyboard- bzw. Akustikgitarren-Untermalung zu den guten (?) Tönen.
Nein, man möchte THE DROWNING nicht zynisch bewerten, aber die Gruppe ist auf ihre konservative Art unfreiwillig komisch - so ernst sie es mit diesem zweifellos ambitionierten, abwechslungsreichen Album auch meinen mag. Emotional tut sich zumindest bei diesem Hörer nichts, während er die Platte laufen lässt.
FAZIT: Wenn's mal wieder etwas länger dauert … Das wäre ein prima Werbeslogan für THE DROWNING, die mit "The Radiant Dark" eine mustergültige Fallstudie in Sachen Gothic bzw. Doom Death durchführen. Die Band passt in Anbetracht von Acts wie Chalice Of Suffering bestens ins Programm der umtriebigen Inder Transcending Obscurity und hat ein etwas abgeschmacktes, aber andererseits auch wohltuend vertraut wirkendes Album vorgelegt, das nicht zuletzt auch wegen seiner erdigen Produktion Freunde in Spezialisten-Kreisen finden dürfte. <img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/a7c8da35fabb49b58701fcf82b5e5db9" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 07.11.2019
Transcending Obscurity
57:49
08.11.2019