Angesichts der eben für nächstes Jahr angekündigten Comeback-Tour der BLACK CROWES (Start am 17. Juni 2020 in Austin, Texas) wäre die Bemerkung, dass THE MAGPIE SALUTE ein Produkt aus den Trümmern erstgenannter Band sind, irreführend. Erst recht nicht, wenn man deren neues Album in Relation mit der BLACK CROWES-Diskographie bringt – will heißen: Die Freude auf die Wiedervereinigung der Southern Rocker aus Atlanta überwiegt diejenige an „High Water II“ bei weitem.
Als Nachfolge- wenn nicht gar Zwillingsalbum des vor gut einem Jahr veröffentlichten „High Water I“-Longplayers macht die Neuerscheinung zwar eine durchaus gute Figur und ist ein solides und ordentliches Werk, mehr aber eben auch nicht. Dafür fehlen die zwingenden Songs, die überzeugende Produktion – vieles tönt überladen, zuweilen gar breiig.
Auch wäre das Potential und die Qualität des Albums mit dem Verzicht auf zwei, drei Titel optimaler ausgeschöpft worden. Der Opener „Sooner Or Later“ etwa, „Leave It All Behind“ oder „A Mirror“ sind, weil eher etwas beliebig, im Schublädchen Allround-Rock einzuordnen. Letztgenannten Song beispielsweise hätte Tom Petty selig zusammen mit seinen Heartbreakers definitiv knackiger hingekriegt!
Aber genug der Nörgelei und zu den Pluspunkten von „High Water II“.
„In Here“ ist der erste Song des Albums mit etwas transparenterer Struktur, durch Bläser gestützt und mit durchgehender Piano-Begleitung – ein prima Stück Roots Rock und mit knapp dreieinhalb Minuten auch mit der angemessenen Laufzeit. Americana at its best ist dann das unaufgeregte „Mother Storm“, gitarrenlastig, inklusive satter Keys im Rückraum.
Und das vielleicht beste Stück des Albums ist das kraftvolle und funkig-treibende „Doesn’t Really Matter“ mit einem eingebetteten Ausflug in psychedelische Gefilde. Schön auch „Lost Boy“, der von Ford und Robinson gemeinsam geschriebene Abstecher in Country-Gefilde mit der kongenialen Unterstützung von Alison Krauss.
FAZIT: In der Vogelwelt sind die Lautäußerungen der MAGPIES um ein Vielfaches attraktiver als die der CROWES. Nicht so auf dem Gebiet des Rock ‘n‘ Rolls… Dennoch wäre es ungerecht, das vorliegende Werk von MAGPIE SALUTE als bloße Notportion für die Zeit bis zum Wiedererwachen der BLACK CROWES zu betrachten – „High Water II“ ist ein gutes Album.
Erschienen auf www.musikreviews.de am 27.11.2019
Sven Pipien
John Hogg, Rich Robinson, Marc Ford, Alison Krauss
Rich Robinson, Marc Ford
Matt Slocum
Joe Magistro
Alison Krauss (Fiddle auf „Lost Boy“)
Provogue/Mascot Label Group
47:17
18.10.2019