Nach Anhören des neuen Albums der New-Orleans-Truppe THE REVIVALISTS und dem Studium der ellenlangen Liste der Belegschaft, die an der Produktion von „Take Good Care“ beteiligt war, ist Widerstand zwecklos: Die volkstümliche Redewendung, wonach viele Köche den Brei angeblich verderben, drängt sich unweigerlich auf.
Um beim kulinarischen Vokabularium zu bleiben: „Take Good Care“ gemahnt an ein ziemlich üppiges Bankett, dessen einzelne Gänge indes etwas beliebig zusammengestellt wirken. Die Neue der REVIVALISTS ist in diesem Sinn kein Album, sie hat eher den Touch einer Best Of-Zusammenstellung. Vielleicht deshalb, weil mit Dave Cobb, Andrew Dawson und Dave Bassett gleich drei Köche, pardon, Produzenten ihre Finger im Spiel hatten? Und, auch in diesem Zusammenhang: Was hat, zumindest in der europäischen Version, eigentlich der längst dünngespielte REVIVALIST-Hit „Wish I Knew You“ (2015) auf dieser Scheibe zu suchen?
Von mangelnder Abwechslung darf man im Zusammenhang mit „Take Good Care“ nicht sprechen. Den Auftakt macht „Otherside Of Paradise“, ein in seiner unaufdringlichen Art geradezu zahmer Opener. Es folgt „All My Friends“, ein IMAGINE DRAGONS-Verschnitt, der bloß eine Spur perkussiver abgemischt ist, als es die Herren aus Las Vegas zu tun gewohnt sind. Der Rest ist – je nach musikalischer Neigung halt – eine mehr oder minder gut verdauliche, aber wie gesagt mannigfaltige Zusammenstellung modern-amerikanischer und streng auf kommerziellen Erfolg getrimmter Pop-Musik.
Die Charaktere der vierzehn neuen Songs pendeln zwischen locker-luftig und zum Tänzchen animierend („You And I“) über verhalten rockend („Future“) bis hin zu klebrig-süßen Schöpfungen, wie „Hate To Love You“ oder „Next To You“. Die ewiglangen „Uhu-uhu-uhu“- und „Oh-oh-oh“-Gesangparts im Hintergrund machen die Sache nicht erträglicher.
Mit einem schönen, souligen Auftakt, knackigen Bläsern und einer guten Dynamik fällt „Got Love“ in positivem Sinn auf. Auch „Celebration“ atmet den Geist vergangener Soul-Zeiten, den man leider der dicken Schicht Produzenten-Politur wegen aber bloß noch erahnen kann. Und – natürlich ganz im Geheimen – stellt man sich die ketzerische Frage, wie diese Titel (ja, das ganze Album!) wohl mit einem Sänger tönen würde, der über eine etwas weniger flehend-weinerliche Stimme als David Shaw verfügt…
FAZIT: „We could make sparks and fire but there ain’t no use“ singen die REVIVALISTS im Song „Got Love“. Sie behalten recht: Für „Take Good Care“ wurde in der Tat mit der großen Kelle angerichtet – genießbar ist das Werk aber eher in kleinen Häppchen.
Punkte: 7/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 01.01.2019
George Gekas
David Shaw
Zack Feinberg, Ed Williams
Michael Girardot
Andrew Campanelli, PJ Howard
Rob Ingraham (Saxophone), Kristen Rogers (Backing Vocals)
Loma Vista Recordings
51:37
09.11.2018