Zurück

Reviews

The Second Cousins: Bloody Tears

Stil: Traditioneller Blues

Cover: The Second Cousins: Bloody Tears

„Bloody Tears“ ist ein spezielles Album. Zum einen ist es besonders gut, soviel sei vorweg verraten, zum andern gehört die Geschichte seiner Entstehung in die Kategorie „Wenn sie nicht wahr wäre, müsste man sie erfinden“…

THE SECOND COUSINS: Das sind einerseits die beiden Schweizer Blues-Urgesteine CLA NETT und KURT BISLIN, die seit Jahrzehnten das helvetische Blues-Schaffen mitprägen, sei es mit ihren eigenen Bands (LAZY POKER BLUES BAND, D. BITERS BLUES BAND) oder als Sidemen für Joe Cocker, John Primer, Bob Stroger oder Mojo Buford; anderseits gehören mit MARKUS HALMER und BERNIE RUCH, einem hervorragend eingespielten Duo, zwei weitere hochgeschätzte Musiker zum Quartett.

NETT und BISLIN sind sich seit den Achtzigerjahren immer mal wieder auf der Bühne begegnet – bis die beiden bei einem Gespräch am Küchentisch herausfanden, dass sie durch mehr als die gemeinsame Liebe zum Blues verbunden sind: Ihre Großväter waren Brüder, die beiden Musiker damit Cousins zweiten Grades. Diese Erkenntnis markierte den Start zum ersten gemeinsamen Projekt, der Name für die neue Band war danach wohl reine Formsache.

Nun liegt mit „Bloody Tears“ ein Album vor, das mit elf eigenen Songs und zwei Coverversionen („Done Changed My Way Of Living“ von TAJ MAHAL und dem Titelstück „Bloody Tears“ von JOHN FUNCHESS) rundum Freude bereitet. RICHARD KOECHLI, laut Fachmagazin Akustik Gitarre „Der wohl bluesigste Schweizer ever“, beschreibt es als eine „treffsichere Mischung aus elektrischem Chicago-Blues, rauen Mississippi-Tönen, versumpftem Louisiana-Feel und lebensfrohen New Orleans-Grooves.“ Gut getroffen!

Die SECOND COUSINS haben mit „Bloody Tears“ ein Album mit Songs im traditionellen Stil eingespielt, in einer Art und Weise, die die Frage, ob weiße Europäer dies überhaupt können, gar nicht erst aufkommen lässt. Klar gibt es beim Gesang gewisse Abstriche zu machen und gewiss hätten sich mehr Elemente einbauen lassen, um letztlich dem Ganzen noch etwas mehr Dynamik zu verleihen – wie es beispielsweise die Sängerin BETH WIMMER in „Done Changed My Way Of Living“ auf erfrischende Weise tut.

Aber trotzdem, was das Schweizer Quartett – im Übrigen in hervorragender Aufnahmequalität – hier vorlegt, dürfte Freunden des traditionellen, erdigen und ehrlich gespielten Blues allergrößte Freude bereiten. Blutige Tränen gibt es hier jedenfalls keine zu vergießen.

FAZIT: „Bloody Tears“ ist ein im positiven Sinn konservatives Album zweier Urgesteine der Schweizer Blues-Szene. Die SECOND COUSINS spielen nicht einfach Blues, sie leben ihn seit Jahrzehnten. Das hört man!

Punkte: 12/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 12.03.2019

Tracklist

  1. 31st Of July
  2. Train Down South
  3. I’m Scared
  4. Mean And Evil
  5. I Ain’t Got Enough
  6. Done Change My Way Of Living
  7. Sailed To Dixieland
  8. Handle With Care
  9. Bound To Go
  10. Boogie Fever
  11. Believe Me
  12. Special Kind Of Karma
  13. Bloody Tears

Besetzung

  • Bass

    Markus Halmer

  • Gesang

    Cla Nett, Kurt Bislin

  • Gitarre

    Cla Nett, Kurt Bislin

  • Schlagzeug

    Bernie Ruch

  • Sonstiges

    Beth Wimmer (Backing Vocals)

Sonstiges

  • Label

    Burrobeat

  • Spieldauer

    55:05

  • Erscheinungsdatum

    13.10.2018

© Musikreviews.de