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Thenighttimeproject: Pale Season

Stil: Gothic / Progressive Metal

Cover: Thenighttimeproject: Pale Season

Obwohl mit Frederik Norrman (ehemals Katatonia und October Tide) ein durchaus nicht unbekannter Metal-Mucker hinter THENIGHTTIMEPROJECT steckt, ging das erste Album der immerhin schon seit fast zehn Jahren bestehenden Band komplett unter. Insofern dürfte "Pale Season", nun da das Projekt bei Debemur Morti angekommen ist und mehr Hörer erreichen sollte, auf viele wie das allererste Lebenszeichen der vier Musiker wirken.

Dementsprechend unbedarft dürfen sie sich die Platte auch zu Gemüte führen, obwohl Norrmans Handschrift in allen neun Tracks zu erkennen ist, wenn man um seine Mitgliedschaft weiß. Überraschend in diesem Zusammenhang ist der weitgehende Verzicht des Quartetts auf extreme Stilmittel, denn "Pale Season" ist nichts mehr oder weniger als ein melancholisches Rock-Album. Die Gruppe würde damit auch gut in den aktuellen Katalog von Lifeforce passen, die ähnliche Acts im Akkord unter Vertrag nimmt.

Und ähnlich gesichtslos wirken auch THENIGHTTIMEPROJECT bisweilen, doch immer dann, wenn die Band zu sehr ins Schwärmen gerät und den Song an sich zu vergessen droht, reißt Gitarrist Alexander Backlund das Ganze mit seiner eindringlichen Stimme heraus. Der Mann ist wegen seines Gespürs für starke, zumeist sehnsuchtsvolle Melodien eine Entdeckung wert, vor allem für Fans von Combos wie Thine, den mittleren Anathema oder auch Soen, wenn man deren progiggen Duktus abzieht.

Das "Nachtzeitprojekt" agiert nämlich weitgehend geradlinig und schafft so eine runde Handvoll "Hits" wie 'Rotting Eden', in dem gezielt platzierte Schreie genau der eine ausschlaggebende Faktor dafür sind, dass "Pale Season" eben nicht in die Schublade mit den erwähnten Platten/Kapellen ohne Gesicht einzuordnen ist. 'Signals in the Sky' markiert kurz vor Schluss ein aufwühlendes Riesending für Szene-Discos, falls es noch irgendwo welche gibt, mit Ison-Sängerin Heike Langhans, deren Projekt übrigens ebenfalls mal auf breiter Ebene von sich reden machen dürfte.

Wenn THENIGHTTIMEPROJECT nun fleißig Konzerte geben, auf die richtige Tournee aufspringen und auch im Studio regelmäßig am Ball bleiben, können sie eine Menge Fans gewinnen, denn das hier ist unverhoffterweise sehr geil, insbesondere für in den "Gothic"-1990ern Hängengebliebene.

FAZIT: Mit "Pale Season" kommt die derzeit beste Schwermutsplatte mitnichten aus Finnland, sondern Schweden - THENIGHTTIMEPROJECT setzen 2019 für alle Trauerweiden Maßstäbe, indem sie ihre hörbare Erfahrung mit dynamischem wie eingängigen Songwriting frisch halten. Da verzeiht man zwei, drei zu "ätherische" Parts im Laufe der Spielzeit gerne. <img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/0e7721593eb44f988779a038a8dfd745" width="1" height="1" alt="">

Punkte: 11/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 28.06.2019

Tracklist

  1. Hound
  2. Rotting Eden
  3. Binary
  4. Final Light
  5. Embers
  6. Pale Season
  7. Anti Meridian
  8. Signals In The Sky
  9. Meridian

Besetzung

Sonstiges

  • Label

    Debemur Morti / Soulfood

  • Spieldauer

    48:27

  • Erscheinungsdatum

    28.06.2019

© Musikreviews.de